Mathias Döpfner sieht Existenzgrundlage der Verlage durch Gratis-Apps bedroht

Montag, 27. Juni 2011
Mathias Döpfner: "Wir kämpfen um unsere Existenzgrundlage"
Mathias Döpfner: "Wir kämpfen um unsere Existenzgrundlage"


Im Angesicht des Feindes rücken auch Konkurrenten dicht zusammen: Mit einem großen Interview hat die "Süddeutsche Zeitung" Springer-Chef Mathias Döpfner die Gelegenheit gegeben, noch einmal ausführlich die Positionen der Zeitungsverleger zu den digitalen Aktivitäten von ARD und ZDF darzulegen. Seine These: Der "zügellose digitale Ausbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" gefährde die Existenz des Verlagsgeschäfts.  "Die Klage ist der Warnruf einer ganzen Branche. Alle privaten Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, auch die privaten Fernsehanbieter sind in Sorge, dass im Zuge der Digitalisierung durch einen Missbrauch der dominierenden, marktverzerrenden Rolle der Öffentlich-Rechtlichen die Geschäftsgrundlage für Qualitätsjournalismus und damit Meinungsvielfalt in Deutschland verloren geht", begründet Döpfner in der "SZ" die Klage von acht Zeitungsverlagen gegen die Tagesschau-App der ARD.

"Wir kämpfen um unsere Existenzgrundlage. Die Klage ist deshalb auch ein Aufschrei, der im politischen Raum vielleicht etwas mehr Sensibilität für die tektonischen Verschiebungen hervorruft, die wir gerade bei der Digitalisierung der Medien erleben. Mir scheint es, als sei die Digitalisierung noch nicht von jedem verstanden", meint Döpfner mit Blick auf die Politik. Dass Axel Springer im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis präsentieren konnte und derzeit vor allem im Zeitungsgeschäft prächtig verdient, erwähnt Döpfner freilich nicht.  

Den Verlagen gehe es vor allem um die Zahlungsbereitschaft für Qualitätsjournalismus im Internet: "Wir haben im Internet leider generell eine Gratiskultur sich etablieren lassen, die nur schwer zu revidieren ist", so Döpfner. Bei Apps gebe es dagegen eine Zahlungsbereitschaft, die durch Gratisangebote allerdings konterkariert werde: "Wenn zwei sehr gute Produkte gleichen Charakters nebeneinander angeboten werden, das eine kostenpflichtig und das andere kostenfrei, dann ist doch klar, wofür der Leser sich entscheidet."

Sollten ARD und ZDF nicht einlenken, will Döpfner sogar die Systemfrage stellen und Beschwerde bei der Wettbewerbskommission der EU in Brüssel einreichen: "Wenn wir nicht zueinander fänden, wird der nächste Schritt nötig, unter wettbewerbsrechtlichen und europarechtlichen Gesichtspunkten die Existenzberechtigung des öffentlich-rechtlichen Systems in Deutschland in Frage zu stellen." Die Existenzberechtigung des öffentlich-rechtlichen Systems bewege sich in der digitalen Welt "auf dünnem Eis". "Meine Prognose ist: Je schamloser ARD und ZDF jetzt ihren Siegeszug, unterstützt von der Politik, fortsetzen und private Qualitätsangebote in die Knie zwingen, desto schneller kriegen wir diese Grundsatzdebatte." dh
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