"Marktbeherrschendes Duopol": Kartellamt durchkreuzt Pläne von RTL und P7S1 für deutsches Hulu

Freitag, 18. März 2011
Das Bundeskartellamt fürchtet ein "marktbeherrschendes Duopol"
Das Bundeskartellamt fürchtet ein "marktbeherrschendes Duopol"

Jetzt ist es amtlich: Das Bundeskartellamt untersagt die gemeinsame Online-Videoplattform von RTL und Pro Sieben Sat 1 (P7S1). Bereits Ende Februar hat die Behörde den Medienhäusern ein erstes negatives Signal gegeben. Die Kritik der Kartellwächter: Die Plattform werde das "marktbeherrschende Duopol" der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung weiter verstärken und auf das Segment der Video-Werbung übertragen. Eine Stellungnahme der Medienunternehmen konnten die Bedenken des Kartellamtes offenbar nicht ausräumen. Von dem geplanten Konzept wollten die Sender laut Kartellamt außerdem nicht abweichen: "Eine weitergehende Öffnung der Plattform in technischer Hinsicht sowie für andere Anbieter wurde nach wie vor nicht angeboten", heißt es in einer Mitteilung der Bonner Behörde. Noch ist die Entscheidung allerdings nicht rechtskräftig. Die Sender können innerhalb eines Monats Beschwerde einlegen. Darüber würde dann das OLG Düsseldorf entscheiden. Pro Sieben Sat 1 hat bereits Ende Februar angekündigt, ein Verbot gerichtlich prüfen zu lassen.

Für die Fernsehkonzerne bedeutet das Aus ein herber Rückschlag. Mithilfe der am US-Portal Hulu angelehnten senderoffenen Plattform für zeitversetze Nutzung von TV-Inhalten wollten sie eine zentrale Anlaufstelle für Videocontent im Netz anbieten. Die Ziele: Den Bewegtbildkonsum der Internetnutzer und damit auch das Werbegeschäft weiter ankurbeln.

Die Mediengruppe RTL hat ihre Enttäuschung bereits in einer Unternehmensmitteilung deutlich gemacht. "Die Entscheidung schwächt die Position der deutschen Marktteilnehmer im internationalen Wettbewerb", lautet die Antwort. Darüber hinaus widerspricht der Sender der These des Bundeskartellamtes von einem wettbewerbslosen Duopol. "Die Sender befinden sich seit jeher in intensivem Wettbewerb um Zuschauer und Werbekunden." Insbesondere das Internet werde in erster Linie von internationalen Playern dominiert und biete eine grenzenlose Bewegtbild-Vielfalt von professionell produzierten und nutzergenerierten Inhalten.

Zudem habe die Plattform keine Auswirkungen auf den Werbemarkt gehabt. So sei das Joint Venture als rein technischer Dienstleister geplant und hätte im Gegensatz zu der amerikanischen Plattform Hulu keinerlei Vermarktungsaktivitäten ausgeübt. "Jegliche Vermarktung hätte ausschließlich der jeweils teilnehmende Sender durchgeführt", verteidigt sich RTL. Wie das Unternehmen nun weiter vorgehen will, lässt es in dem Schreiben offen. bn
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