Marianne Dölz verlässt Verlagsgruppe Handelsblatt / 10 Prozent Stellenabbau

Freitag, 15. Februar 2013
Marianne Dölz kehrt der Verlagsgruppe Handelsblatt den Rücken
Marianne Dölz kehrt der Verlagsgruppe Handelsblatt den Rücken


Paukenschlag in Düsseldorf unter der Regie des neuen Oberchefs Gabor Steingart: Marianne Dölz, seit Herbst 2009 Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) und dort vor allem für die Vermarktungsorganisation IQ Media Marketing zuständig, verlässt das Unternehmen. Außerdem baut die Düsseldorfer Verlagsgruppe massiv Personal ab: Rund 80 von 813 Arbeitsplätzen, das sind knapp 10 Prozent der Belegschaft, werden gestrichen. Zwölf Führungskräfte werden „im Zuge der Vereinfachung von Strukturen" das Haus verlassen und mittlere sowie untere Führungsebenen stark reduziert, teilt der Verlag mit. Während der Stellenabbau zu erwarten war – wenn auch nicht in dieser Höhe –, kommt der Weggang von Marianne Dölz überraschend. Hat sie einen neuen Job? Sah sie sich nach der Berufung des vormaligen „Handelsblatt“-Chefredakteurs Gabor Steingart zum Vorsitzenden der VHB-Geschäftsführung zum Jahreswechsel in ihrem Aufgabenbereich beschnitten, zumal sich Steingart auch in Interviews zuletzt sowohl strategisch als auch detailliert zu Vermarktungsthemen äußerte? Oder drängte Steingart (der auch neuer Minderheitsgesellschafter der VHB ist) sie hinaus, vielleicht, um ein Top-Managergehalt zu sparen?

Die offizielle Mitteilung klingt jedenfalls höchst freundschaftlich: Dölz sehe ihre „Um- und Ausbautätigkeit“ bei IQ Media Marketing als „erfolgreich abgeschlossen an“, heißt es. Dölz wolle daher diesen Zeitpunkt nutzen, um sich „im besten freundschaftlichen Einvernehmen“ neuen Aufgaben zuzuwenden. Die Führung der Sparte wird bei den bisherigen Co-Geschäftsführern Christian Herp und Franjo Martinovic sowie kommissarisch bei Kai Ladwig liegen, die künftig direkt an Steingart berichten. „Die Printvermarktung wird in Kürze durch einen in der Medienszene weithin bekannten und respektierten Anzeigenexperten verstärkt“, macht die VHB neugierig.

Auch Verleger Dieter von Holtzbrinck lässt sich zum Weggang Dölz’ zitieren: Als sie ins Haus kam, habe sich die Vermarktungsgesellschaft „in einer kritischen Phase“ befunden. „Unerschrocken, dynamisch und zielstrebig“ habe sie mit dem Umbau begonnen, und „trotz der bei einer Sanierung unausweichlichen Belastungen für eine Reihe von Mitarbeitern“ habe sich Dölz „durch ihre offene und menschliche Art große Anerkennung und Wertschätzung selbst bei den Betroffenen“ erworben. „Wir lassen Marianne Dölz nur sehr ungern ziehen“, so von Holtzbrinck.

Zum Stellenabbau: Bereits im Interview mit HORIZONT im vergangenen Dezember hatte Steingart sein Transformationsprogramm „Neustart 2013“ erläutert – mit dem Aufbau neuer Bereiche (neue Digitalangebote, Marktforschung, zusätzliche Veranstaltungsformate), aber auch mit (Stellen-) Abbau an anderen Stellen. Unklar war nur noch, wie viele Stellen wegfallen – und wo. Jetzt weiß man mehr: Vertrieb und Vermarktung sollen „kundennäher“ organisiert, alle Verwaltungsbereiche „transparenter und effizienter“ strukturiert werden. Besonders in der kaufmännischen Verwaltung sollen Hierarchien abgebaut und Arbeitsabläufe vereinfacht werden.

"Viele deutsche Verlage wirken auf mich, als hätte man versucht, eine DDR en miniature nachzubauen", sagte Steingart, vielleicht auch aufs eigene Haus bezogen, damals im HORIZONT-Interview. Der Personalabbau soll „bestmöglich sozial gestaltet“ werden. Die Gespräche mit dem Betriebsrat seien vom Verleger und den Geschäftsführern Jörg Mertens, Claudia Michalski und Gabor Steingart bereits aufgenommen worden. Und die Redaktionen? Diese seien der wichtigste Vermögenswert des Verlags und sollten vom Abbau weitestgehend verschont bleiben, wird von Holtzbrinck von Teilnehmern einer Mitarbeiterversammlung am Freitag zitiert.

Der Blick nach vorne: Mitte 2013 will die VHB „zielgruppenspezifische Paketangebote“ für Beratungsfirmen (Wirtschafts- und Unternehmensberater, Anwaltskanzleien) und für industrielle Mittelstandsunternehmen auf den Markt bringen. Außerdem soll es „neue journalistische Finanzprodukte“ für eine jüngere Zielgruppe und E-Commerce-Angebote geben, die zurzeit in der Tochtergesellschaft VHB Ventures entwickelt werden. In der Pressemitteilung textet Steingart: „Wir verstehen uns nicht mehr nur als klassisches Verlagshaus, sondern als Gemeinschaft zur Verbreitung des wirtschaftlichen Sachverstandes. Dieser erweiterte Medienbegriff ermöglicht die Expansion in neue Journalismus nahe Geschäftsfelder jenseits der traditionellen Printprodukte des Hauses.“rp
Meist gelesen
stats