Marcel Reich-Ranicki bekräftigt Kritik am deutschen Fernsehen

Freitag, 17. Oktober 2008
Bleibt bei seiner Haltung: Marcel Reich-Ranicki (Foto: ZDF, Stefan Menne)
Bleibt bei seiner Haltung: Marcel Reich-Ranicki (Foto: ZDF, Stefan Menne)

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bleibt bei seiner fundamentalen Kritik über das deutsche Fernsehen. "Ich habe nichts zu bereuen, ich nehme nichts zurück", sagt der streitbare 88-Jährige in der Sendung „Aus gegebenem Anlass“, die das ZDF am heutigen Abend um 22.30 Uhr überträgt. "Das Fernsehen muss sich mehr Mühe geben", fasst Reich-Ranicki seine Kritik an der Qualität des Mediums zusammen. Immerhin hat der Literaturpapst einige konkrete Vorschläge für die gescholtenen Fernsehmacher parat: Shakespeare-Verfilmungen zum Beispiel oder Bertolt  Brecht: „Der wäre der richtige für's Fernsehen.“

Unterdessen hat sich auch die Jury des Deutschen Fernsehpreises mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet. Darin klingt zumindest vorsichtige Kritik an Reich-Ranicki an: „Voraussetzung eines jeden Qualitätsurteils ist die gründliche Kenntnis seines Gegenstandes“, heißt es da. Reich-Ranicki hatte selbst eingeräumt, außer Arte und gelegentlich 3sat eigentlich kein Fernsehen zu schauen. Man lade den Kritiker dazu ein, sich selbst von der Qualität der ausgezeichneten Sendungen zu überzeugen. Zuweilen zeige sich das Gute auch in intelligent unterhaltendem "Blödsinn" und nicht allein im Ernsten und Erhabenen.

Beim ZDF wird derzeit die TV-Zukunft von Elke Heidenreich diskutiert. Die Schriftstellerin und Moderatorin der ZDF-Sendung „Lesen“ hatte Reich-Ranickis Kritik aufgegriffen und auch Thomas Gottschalk angegriffen. Sie habe mit ihrer Kritik das „Maß weit überschritten“, sagt ZDF-Chefredakteur Thomas Bellut in der „Süddeutschen Zeitung“. Er sei über ihre Äußerungen „auch persönlich enttäuscht“. dh
Meist gelesen
stats