"Manier von Finanzhaien": WAZ-Chef Nienhaus weist Springer-Offerte brüsk zurück

Donnerstag, 06. Oktober 2011
Christian Nienhaus hat das Angebot von Mathias Döpfner scharf kritisiert
Christian Nienhaus hat das Angebot von Mathias Döpfner scharf kritisiert


Mathias Döpfner und Christian Nienhaus werden wohl keine dicken Freunde mehr: Mit scharfen Worten hat der WAZ-Geschäftführer Nienhaus das überraschende Übernahmeangebot von Axel Springer für die WAZ-Gruppe kommentiert. Für die WAZ-Gruppe, deren Gesellschafter gerade um die Zukunft des Zeitungshauses ringen, kommt der Vorstoß von Döpfner zur Unzeit.   "Ungefragt auf die Vermögenswerte anderer Firmen zu bieten, ist eigentlich die Manier von Finanzhaien", sagte Nienhaus zu der Kaufofferte von Springer gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit". Und weiter: "Ich habe schon überlegt, ob ich jetzt einen Brief an Friede Springer schreiben soll, ob wir das Hamburger Abendblatt, die Hörzu und die B.Z. kaufen können, weil sie bei Springer damit wenig anfangen können - und so ein Angebot jetzt offenbar Stil des Hauses ist."

Tatsächlich wirft das Schreiben von Mathias Döpfner, das am Freitag publik wurde, viele Fragen auf - zumindest auf den ersten Blick. Darin hatte der Vorstandvorsitzende von Axel Springer, seltsam verklausuliert, Interesse an einer Übernahme der WAZ-Gruppe bekundet. Man würde ein Gebot "heute nicht prinzipiell ausschließen wollen", zitierte das "Manager Magazin" aus dem Brief von Döpfner. Sogar eine konkrete Kaufsumme brachte Döpfner ins Spiel: 1,4 Milliarden Euro. Zugleich wies Döpfner selbst auf die schwierige kartellrechtliche Lage hin, sollte das größte deutsche Zeitungshaus tatsächlich den größten regionalen Zeitungsverlag übernehmen wollen.

Auf den zweiten Blick jedoch erscheinen Vorgehen und Zeitpunkt von Döpfners quasi-öffentlichem Brief nachvollziehbar: Er platzt hinein in die internen Verkaufsverhandlungen der WAZ-Gesellschafterstämme und könnte entweder den Preis hochtreiben oder eine Einigung verzögern oder gar blockieren. Beides könnte im Interesse Springers liegen. (Mehr dazu in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 40/2011).

Zur Erinnerung: Erst vor wenigen Wochen hatte Petra Grotkamp, Tochter von WAZ-Mitgründer Jakob Funke und Frau des langjährigen Geschäftsführers Günther Grotkamp den Erben von Mitgründer Erich Brost 470 Millionen Euro für ihren 50-prozentigen Anteil an der Mediengruppe geboten. Die drei jungen Enkel von Brost wollen verkaufen, offenbar war eine Einigung bereits in greifbarer Nähe: "Über die wesentlichen Bedingungen des Erwerbs wurde zwischen Frau Grotkamp und den Mitgliedern der Familie Brost Einigkeit erzielt", hieß es in einer Erklärung von Grotkamps Anwalt. 

Das letzte Wort hat allerdings der Testamentsvollstrecker von Erich Brost, der Rechtsanwalt Peter Heinemann. Er muss nun auch das Angebot von Springer ernsthaft prüfen. Es sei "nicht sein Interesse, irgendein Störfeuer für die laufende Transaktion zu entfachen", beteuerte Döpfner in seinem Schreiben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Eine schnelle Einigung dürfte durch das Angebot von Axel Springer nun in weite Ferne gerückt sein. dh
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