"Manager Magazin"-Chef Arno Balzer: "Die guten Sitten sind auf der Strecke geblieben"

Donnerstag, 06. Oktober 2011
Manager-Magazin-Chefredakteur Arno Balzer (Foto: Manfred Witt)
Manager-Magazin-Chefredakteur Arno Balzer (Foto: Manfred Witt)


Kollegenschelte: Arno Balzer, Chefredakteur des "Manager Magazins", übt indirekte Kritik an seiner Zunft beim Umgang mit der Finanzkrise. "Wir gehören nicht zu denen, die in jeder zweiten Ausgabe 'Der Euro ist tot' aufs Cover schreiben", so Balzer im Interview mit HORIZONT. Auch das "Manager Magazin" sei "nicht gerade bekannt dafür, dass seine Autoren die Dinge besonders zaghaft beschreiben - aber wir recherchieren vorher", so Balzer: "Haltung hat für uns nichts mit Hysterie zu tun." Er glaubt, dass der Wirtschaftsjournalismus speziell im Bereich Geldanlage durch das "Hochjazzen einzelner Phänomene" in der Finanzkrise an Glaubwürdigkeit verloren habe. Auf der anderen Seite ärgere sich Balzer, wenn manche anderen Titel News, Geschichten oder redaktionelle Ideen abkupferten: "Die guten Sitten sind bei einigen Wettbewerbern zum Teil auf der Strecke geblieben."

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Das Interview mit Arno Balzer über den Umzug des "Manager Magazins" unters Dach des um Scoops konkurrierenden "Spiegel", über neue Managertypen und über die gefährliche Nähe zu CEOs lesen HORIZONT-Abonnenten in der Ausgabe 40/2011, die am Donnerstag, 6. Oktober erscheint.

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Generell sieht er ein "Überangebot in der Wirtschaftsberichterstattung". Es werde zu einer Marktbereinigung kommen - allerdings mit sehr großem Zeitverzug. "Die Verlagswelt wird dominiert von Familienunternehmen, die bemerkenswerten Langmut mit strukturell defizitären Titeln beweisen", so Balzer. Keine Lösung seien Verbundredaktionen à la G+J Wirtschaftsmedien: "Eigenständig arbeitende Titel sind wirtschaftlich deutlich erfolgreicher als jene, die mit industriellem Synergiejournalismus operieren." rp

Auf der nächsten Seite: Exklusiv in HORIZONT.NET drei weitere Fragen an Arno Balzer, etwa zu Manager Magazin Online, das in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreibt.

"Kein Testlabor für eine Verbundredaktion"

Arno Balzer (Foto: Manfred Witt)
Arno Balzer (Foto: Manfred Witt)
Sie halten nichts von Verbundredaktionen à la G+J Wirtschaftsmedien. Funktionieren solche auch nicht mit titelspezifischen Chefredakteuren, die nur für einen Titel verantwortlich sind - sich dafür aber eben aus einem Redaktionspool bedienen?
Balzer:
Nein, auch dann nicht. Denn nicht nur der Chefredakteur macht ein Blatt aus, sondern vor allem das Team dahinter, Redakteure, die titeltypisch wahrnehmen, denken und schreiben.

Doch auch in Ihrem Haus, in der Spiegel-Gruppe, gibt es seit April eine erste Zusammenarbeit: ein gemeinsames Online-Ressort zu Job-Themen.
Das ist etwas anderes. Der "Karriere Spiegel" ist ein neues Projekt, ein überaus erfolgreich gestartetes Joint Venture von Spiegel Online und Manager Magazin Online für Berufsthemen. Er ist aber keine Verbundredaktion, auch kein Testlabor dafür. So etwas wird es beim „Manager Magazin" nicht geben, nicht einmal im Ansatz.

Manager Magazin Online verzichtet auf einen schnellen Newsflow. Rücken Sie hier mit Free Content nicht Ihrem Heft zu nahe, das mittlerweile immerhin 8 Euro kostet?
Online legen wir sehr wohl Wert auf Aktualität, verbunden möglichst mit Exklusivität und Analyse. Das haben wir mit der Story über Springer und die WAZ je gerade erst wieder beweisen. Ich halte die Kombination Monatsmagazin und Online für optimal. Durch den monatlichen Heftrhythmus haben wir, anders als Tageszeitungen, durch Online keine Kannibalisierung, sondern eine optimale Ergänzung. Und solange ein Heft auf dem Markt ist, stellen wir daraus keine Geschichten gratis ins Netz.
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