Management Buy-Out bei G+J: Verlagsleiterin Katarzyna Mol kauft "Emotion"

Freitag, 20. November 2009
Katarzyna Mol übernimmt "Emotion"
Katarzyna Mol übernimmt "Emotion"

Ein Geschäft mit vielen Gefühlen - und noch mehr Mut: Katarzyna Mol, Verlagsleiterin des Gruner + Jahr-Titels "Emotion", wird selber Verlegerin. Die 35-Jährige kauft G+J das psychologieorientierte Frauenmagazin ab und gründet in Hamburg ihren eigenen Verlag namens Inspiring Network, unter dessen Dach "Emotion" künftig erscheinen wird. Dabei werden die Hauptinvestoren Mol (72 Prozent) und Privatinvestor Heiner Bente (28 Prozent) von der Hamburger Sparkasse sowie städtischen Beteiligungsgesellschaften unterstützt. Mol und G+J bestätigten auf Anfrage entsprechende Informationen von HORIZONT.NET. In den kommenden Wochen werden Redakteure und Verlagskräfte vom bisherigen "Emotion"-Sitz in München nach Hamburg ziehen. Bisher ist unklar, wie viele der 18 Mitarbeiter, die vom Betriebsübergang betroffen sind, mitgehen werden. Eine Beschäftigungsgarantie soll es offenbar nicht geben; die meisten sollen aber ein Angebot erhalten. Im Januar 2010 will Mol in Hamburg die Arbeit aufnehmen; das erste dort produzierte Heft - die März-Ausgabe - soll Mitte Februar erscheinen. Dies ist zugleich die Geburtstagsausgabe zum 4-jährigen Bestehen von „Emotion", zu der Mol schon jetzt Veränderungen im Heft ankündigt. Redaktionsleiter ist Peter Hummel, nachdem sich im Sommer Gründungs-Chefredakteurin Bettina Wündrich ebenfalls in die Selbstständigkeit verabschiedet hatte.

Die aktuelle Ausgabe von "Emotion"
Die aktuelle Ausgabe von "Emotion"
Mit Mols Management Buy-Out gehen die mittlerweile einjährigen Spekulationen über die Zukunft des Monatsmagazins zu Ende. Die Chronik: Anfang 2006 gelauncht, hat „Emotion" bisher weder das Auflagen- (Ziel: 150.000 Stück) noch das Anzeigen-Soll erreicht, um in den Kostenstrukturen des Großverlags G+J schwarze Zahlen zu erreichen. Deshalb wurde über „Emotion" immer dann spekuliert, wenn die Sprache auf mögliche Portfoliobereinigungen bei G+J kam - erstmals Ende 2008, als der damalige G+J-Chef Bernd Kundrun ebenso grob wie vage Titeleinstellungen angekündigt hatte. Damit nicht genug: In diesem Frühsommer gab CEO-Nachfolger Bernd Buchholz intern vor, dass künftig alle Titel bei konstanter Qualität zu deutlich niedrigeren Kosten produziert werden müssten. Magazine, bei denen das nicht funktioniert, könnten eingestellt oder verkauft werden. Ende Juli scheiterte dann der Verkauf von „Emotion" und „Healthy Living" an den Münchner Atlas Verlag; „Healthy Living" ist mittlerweile in einem Joint-Venture mit dem Klambt-Verlag untergekommen.

Unterm neuen Dach fallen für „Emotion" die Umlagekosten eines Großverlags weg - aber auch interne Dienstleistungen, etwa die Vermarktung, die Mol ab Dezember selber übernehmen will, und Marketingunterstützung. Dass G+J hier bereits Kosten gekappt hat, sieht man etwa am Zurückfahren der Sonderverkäufe auf fast Null; im vergangenen Jahr waren es noch bis zu 37.000 Sonstige Verkäufe. Auch dadurch ist die verkaufte Auflage nun auf 88.000 Exemplare gesunken (IVW III/2009), davon 48.000 Stück über Abo und Kiosk (Rest: Lesezirkel). Allerdings wurde der Copypreis zu Jahresanfang selbstbewusst von 3,80 auf 4,50 Euro erhöht.

Mol denkt ihr Projekt jedenfalls von den Chancen her: "Meine Co-Investoren und ich glauben mehr denn je an das ,Emotion‘-Konzept", bestehend aus dem monatlichen „modernen Frauenmagazin", den Berufsthemen- und Anzeigenspecials „Women at Work" sowie den Coaching- und Seminarangeboten. Zudem sieht sie sich auf einem guten Weg, mehr Werbekunden vom ambitionierten, uniquen, aber auch erklärungsbedürftigen Frauentitel und seiner laut AWA hochkarätigen Leserschaft zu überzeugen. rp
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