MGM entschärft disproportionales Preissystem

Mittwoch, 04. August 1999

Nach IP Deutschland und Sat 1 hat nun auch die Mediagruppe München (MGM) ihre Preisstrategie für das kommende Jahr nach heftiger Kritik aus dem Markt noch einmal zugunsten der Kunden überdacht. Zwar hält der Münchner TV-Vermarkter (Pro Sieben, Kabel 1) an der Strategie fest, kürzere Spots im Verhältnis teurer als längere zu verkaufen, doch fallen die Aufschläge geringer aus als ursprünglich angekündigt. Gerade im Bereich der oft gebuchten 20sekünder wird die Preisspirale ein Stück zurückgedreht. Ursprünglich sollten Werbespots zwischen 20 und 24 Sekunden Länge um 6 Prozent teurer werden, Spots zwischen 25 und 29 Sekunden um 2 Prozent. Nun kosten 20 bis 29sekünder 2 Prozent mehr. 17, 18 und 19 Sekunden lange Spots, kosten 12, 8, und 5 Prozent mehr, um die Werbekunden dazu zubewegen, gleich den "günstigeren" 20sekünder zu buchen. Auch Sat 1 hat nach heftiger Kritik seitens Werbungtreibender und Agenturen die Spotlängenindizes noch einmal überarbeitet. Der 20sekünder wird hier statt der ursprünglich geplanten 8, nur 3 Prozent teurer und noch immer sind die Tarifunterlagen des Senders mit dem dickgedruckten Vermerk "vorläufig" versehen. Die IP hatte in der vergangenen Woche als erster großer TV-Vermarkter ihre Preisstrategie revidiert und statt der geplanten disproportionalen Preise für Spots unter 20 Sekunden einen pauschalen Aufschlag von 18 Prozent sowie ab 20 Sekunden die Beibehaltung linearer Preise angekündigt. Die gleiche Strategie hat Vox eingeschlagen. Im Durchschnitt erhöhen die Vermarkter die Preise für das kommende Jahr um 0,5 bis 4,8 Prozent. Kabel 1 erhöht seine Preise aufgrund von Reichweitengewinnen um bis zu 7 Prozent und schlägt damit durchschnittlich am meisten auf. Die großen Sender steigern ihre Preise dagegen moderat, zum Teil werden die Preise in einigen Timeslots nach unten korrigiert. So erhöht Marktführer RTL seine Werbepreise im Durchschnitt um 3 Prozent (Primetime, 19.00 bis 23.00 Uhr: plus 2,2 Prozent), Sat 1 um 1,7 Prozent (Primetime: plus 3 Prozent) und Pro Sieben um 0,5 Prozent (Primetime: minus 0,5 Prozent). Bei der ARD schlägt eine Preiserhöhung von 3,9 Prozent zu Buche. Den Kunden geht diese abgemilderte Variante freilich noch nicht weit genug. OWM-Geschäftsführer Wolfgang Hainer will die Preiszuschläge auf der Düsseldorfer Telemesse noch einmal nachverhandeln: "Das Thema hat sich zwar durch die aktuelle Entwicklung verlagert, ist aber noch lange nicht vom Tisch." Mehr dazu in der aktuellen Ausgabe von HORIZONT 31/99.
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