MDR mahnte Udo Foht wegen eigenmächtiger Auftragsvergabe ab

Mittwoch, 03. August 2011
Der Fall Udo Foht lässt den MDR nicht zur Ruhe kommen
Der Fall Udo Foht lässt den MDR nicht zur Ruhe kommen

Im Fall des ehemaligen MDR-Unterhaltungschefs Udo Foht kommen fast täglich neue Details ans Licht. Laut einem Bericht von Welt Online war Foht bereits in der Vergangenheit wegen seines Geschäftsgebahrens aufgefallen. Vor rund zehn Jahren hatte der geschasste Unterhaltungschef deswegen bereits eine Abmahung kassiert. Unterdessen wird die Kritik am MDR lauter. Offenbar hatten eigenwillige Geschäfts- und Finanzierungspraktiken bei Foht Methode: Mit der Abmahnung wurde ein Vorfall geahndet, bei dem Foht eigenmächtig und ohne Genehmigung durch den MDR eine Produktion für eine sechststellige Summe in Auftrag gegeben hatte. Noch eigenartiger mutet ein Fall aus der jüngeren Vergangenheit an, über den Welt Online berichtet: Demnach hatte Foht im Jahr 2008 gemeinsam mit der Leipziger Produktionsfirma Classic Art ein Volksmusikformat namens "Schlag auf Schlager" entwickelt. Einen schriftlichen Auftrag dafür gab es nicht, die Produktionsfirma ging für das Format mit 350.000 Euro in Vorleistung.

In einem Telefonat eröffnete der MDR-Unterhaltungschef dem Chef der Produktionsfirma, Hans-Jürgen Kliebenstein, dann angeblich, dass er ihm den Produktionsauftrag nicht erteilen könne. Das Format sei als Auftragsproduktion zu teuer. Die Firma solle die Lizenz an eine andere Firma namens Compact Systems weiterverkaufen. Dieser nahm Foht das Format dann laut Welt Online als Kaufproduktion ab - für gerade einmal 180.000 Euro. Für Classic Art bedeutete der fragwürdige Deal das Aus: "Daran ist meine Firma zugrundegegangen", sagt Kiebenstein. Foht sei ein "Lügner und Betrüger". Der MDR ist über den Vorgang informiert.

Derweil wächst die Kritik an den Strukturen im MDR, die einen Fall wie diesen überhaupt ermöglicht haben. Erst vor wenigen Wochen war ein ehemaliger Mitarbeiter des Kinderkanals Kika von ARD und ZDF wegen Bestechlichkeit und Untreue zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Herstellungssleiter hatte jahrelang große Summen unbemerkt veruntreut. Mangelnde interne Kontrollen hatten den Schaden begünstigt. Der MDR ist auch für den Kika zuständig. dh
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