MDR-Intendant Reiter nimmt Stellung zu Foht-Affäre

Mittwoch, 17. August 2011
Udo Reiter wagt sich aus der Deckung
Udo Reiter wagt sich aus der Deckung

Jetzt wurde es dem scheidenden Intendanten des MDR Udo Reiter offenbar zu bunt: Nachdem die Affäre um den mittlerweile entlassenen Unterhaltungschef Udo Foht immer weitere Kreise zog und zuletzt der "Spiegel" über eventuelle Schwarzgeldzahlungen berichtete, sah sich Reiter zu einer Stellungnahme gezwungen. Darin räumt der Senderchef Versäumnisse ein - beklagt aber einen unangemessenen Umgang mit dem MDR. In besagtem Spiegel-Bericht äußerte sich der CDU-Politiker und Chef der Sächsischen Staatskanzlei Johannes Beermann folgendermaßen: "Ich mache mir Sorgen um den Sender. Kaum eine Instanz in dem Sender ist intakt." Für Reiter eine Ungeheuerlichkeit. Der langjährige MDR-Intendant vermutet gar gezielte Stimmungsmache: "Die Vermutung liegt nahe, dass hier versucht werden soll, die aktuellen Probleme des MDR zu instrumentalisieren, um den Sender und seine Organe im Vorfeld der Intendantenwahl unter Druck zu setzen." Am 26. September soll Reiters Nachfolger gekürt werden.

Weiterhin teilte Reiter mit, dass die Senderleitung im Jahre 2009 das erste Mal über zweifelhafte Geschäftspraktiken Fohts unterrichtet worden war: "Was die Kenntnis der Geschäftsleitung von den Fohtschen Praktiken betrifft, ist richtig, dass sich am 28.09.2009 ein Produzent an mich gewandt und darauf hingewiesen hat, dass ihm Herr Foht 10.000 Euro schulde. Ich habe diesen Vorgang an den Fernsehdirektor weitergegeben und erhielt von ihm Mitte Oktober die Mitteilung, dass die Sache erledigt sei. Daraufhin habe ich keine weiteren Nachforschungen angestellt." Zu weiteren Details in der Angelegenheit äußerte Reiter sich unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Reiter, der zu der Affäre bisher beharrlich geschwiegen hatte und dafür vom Rundfunkrat des MDR kritisiert wurde, wittert hinter den Angriffen auf sich und seine Institution gar eine Kampagne: "Dass nun interessierte Kreise diese Dinge dazu benutzen, den MDR und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt anzugreifen, war zu erwarten." Jedoch ignorierten die Kritiker, dass im Sender "Tausende von engagierten Mitarbeitern gute Arbeit" leisteten.

Nichtsdestotrotz räumt Reiter ein, dass auch er Fehler gemacht habe: "Richtig ist, dass das Einrichten von Controlling-Planstellen in den stürmischen Aufbaujahren nicht immer im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stand." Für den 31. August ist eine Sondersitzung des Rundfunkrates zur Foht-Affäre anberaumt. ire
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