Lou Reed: "Wie ich kreativ bleibe? Ich masturbiere täglich"

Donnerstag, 20. Juni 2013
Lou Reed stand Journalisten in Cannes Rede und Antwort
Lou Reed stand Journalisten in Cannes Rede und Antwort


Ein Rockstar zu Gast bei den Lions: Gezeichnet von seiner schweren Erkrankung, leicht griesgrämig, aber durchaus mit feinsinnigem Humor präsentierte sich heute Musiklegende Lou Reed heute beim Kreativfestival in Cannes. Für das Gespräch mit Journalisten verbaten sich die Organisatoren und der 71-Jährige sämtliche persönlichen Fragen, vor allem aber Fotos mit Blitzlicht. Als sich einige Fotografen nicht daran hielten, wurde Reed ungehalten.
Neben einigen allgemeinen Aussagen zur Bedeutung von Musik für die Gesellschaft ("Musik ist die Lebensader von allem") und dem aktuellen Datenskandal in den USA, äußerte sich Reed auch zum Zustand der Musikindustrie. Seinen Unmut erregen dabei vor allem Online-Angebote wie Spotify und iTunes, die er als wenig hilfreich für Künstler ansieht. Schon bei seinem Auftritt im Grand Auditorium heute Mittag hatte der Co-Gründer von Velvet Underground über solche Musikplattformen im Internet geschimpft und kritisiert, dass sie vor allem den Eigentümern nützen. "iTunes ist ein Geschäftsmodell für Apple, als Künstler wird man mit ein paar Pennys abgespeist", sagte Reed in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saal.

Er fühle sich an seine Anfangszeiten erinnert, wo er sehr wenige Dollar erhalten habe, wenn ein Song von ihm im Radio gespielt wurde. Das sei ungefähr das, was er heute für die Downloads seiner Musik bekomme. Nun muss man sich um die finanzielle Situation von Reed sicher keine Sorgen machen, er spricht aber ein Problem an, von dem viele Interpreten betroffen sind. Ein Album aufzunehmen sei heute kaum noch lukrativ, sondern eher eine Promotion-Aktion für eine Tournee, findet Reed. Auch von der aktuellen künstlerischen Qualität der Musikbranche ist der Songwriter nicht gerade angetan. Das liege daran, dass fast alles sei schon mal da gewesen sei. Einzig der US-Rapper Kanye West bilde eine rühmliche Ausnahme.

Seinen Auftritt im Grand Auditorium schloss Reed mit einer Lesung ab: Er trug zwei Gedichte von Edgar Allan Poe vor. Danach gab es Standing Ovations. Auch bei den Journalisten sorgte Reed am Ende für gute Laune - mit seiner Antwort auf die Frage, wie er kreativ bleibe: "Ich masturbiere täglich." mam
Meist gelesen
stats