Lob der Frikadelle: Wie "Essen & Trinken" seit 40 Jahren den Löffel schwingt

Freitag, 20. Januar 2012
Die aktuelle Ausgabe von "Essen & Trinken" ...
Die aktuelle Ausgabe von "Essen & Trinken" ...

Zu seinem 40. Geburtstag tischt Gruner + Jahrs Food-Magazin "Essen & Trinken" im Jubiläumsjahr ordentlich auf. Das Motto: "In Deutschlands Küchen zuhause". Ende März, begleitend zum April-Heft, startet eine Werbekampagne für den Vertriebmarkt, die auf den Geburtstag Bezug nimmt (Agentur: Gürtler Bachmann, Hamburg). Bereits jetzt versucht G+J Agenda-Setting zu betreiben und trommelt mit dem "Essen & Trinken Barometer", einer nach eigenen Angaben repräsentativen Telefonumfrage mit 1000 Personen ab 14 Jahren (Institut: Ipsos). Damit will man "die Stimmung in deutschen Küchen einfangen". Eines der Ergebnisse: 40 Prozent der Leute sind überzeugt, dass derjenige, der gut kochen kann, bessere Chancen in der Liebe hat.

Die weiteren Aktionen: Ab sofort verlost "Essen & Trinken" jeden Monat Zeit mit einem der Mitarbeiter, zum Beispiel Besuche der Redaktionsköche bei den Lesern zuhause, einen Tag in der Versuchsküche oder ein Abendessen mit Chefredakteur Stephan Schäfer in einem Sterne-Restaurant. Außerdem gibt es einen Leser-Kochwettbewerb, ein Booklet mit Koch-Klassikern aus vier Jahrzehnten, ein Kochbuch und ab der Februar-Ausgabe die Retro-Serie „Gestern & Heute". Das Jubiläumsheft ist die Oktober-Ausgabe, die gemäß der branchenüblichen ungeduldigen Monatsdefinition bereits am 12. September erscheint.

Chefredakteur Schäfer hat bei "Essen & Trinken" seit gut einem Jahr den Löffel in der Hand. Zum Jubiläum steht das Magazin prima da: Die Abos liegen stabil bei rund 60.000 Stück, der Einzelverkauf ist gegenüber Vorjahr um 48 Prozent auf 77.920 Hefte gestiegen. Inklusive Lesezirkel und sonstigen Verkäufen meldet der Titel 190.864 verkaufte Hefte (IVW IV/2011) - soviel waren es zuletzt vor vier Jahren. Als Grund für das Plus nennt Schäfer vor allem Änderungen der Cover-Optik sowie das Konzept, die neun fest angestellten Redaktionsköche (hinzu kommen noch elf Redakteure) im Blatt zu zeigen, als "Helden unseres Heftes".

Und natürlich die Arbeitsweise: Neue, eigens kreierte Rezepte (Schäfer: "Manufaktur"), die dennoch einfach nachzukochen sind ("Geling-Garantie") und nur Zutaten erfordern, die in Super- und auf Wochenmärkten einer mittelgroßen deutschen Durchschnittsstadt erhältlich sind ("Prinzip Kassel"). Alle Gerichte werden in der G+J-eigenen Profiküche dreimal gekocht (bei der Entwicklung, fürs Foto, Probekochen des Praktikanten). Außerdem legt Schäfer Wert auf den Leserservice, der zu allen Fragen rund um's Kochen und Backen berät (pro Monat 400 Anfragen) und auch gerne mal Kekse zum Probieren zugeschickt bekommt.

... und die Erstausgabe von 1972
... und die Erstausgabe von 1972
Seit Oktober 1972, als die erste Ausgabe von „Essen & Trinken" erschien, sind so 85.000 Gerichte entstanden und 28.000 Rezepte veröffentlicht worden. Pro Jahr werden in den 200 Töpfen der Versuchsküche 180 Liter Sahne und 3240 Eier verbraucht. Dabei rühmt man sich, zahlreiche Produkte in den deutschen Küchen etabliert zu haben, die es bis dato hier noch nicht gab - von Avocado bis Basilikum, von Crème fraîche bis zur Rauke (heute Ruccola). Doch das beliebteste und häufigste Rezept dreht sich seit 40 Jahren um die Frikadelle.

Für die Zukunft ist Schäfer nicht bange: „Die Themen Essen und Trinken sind niemals überholt. Was ist zum Beispiel mit ,Landlust‘ im Jahr 2030? Hat man da noch Lust auf Land?" Schäfer glaubt, dass sich die Küche immer mehr zum privaten Treffpunkt entwickelt - als Gegengewicht zu den schnellen Themen des Alltags: „Genuss ist ein Dauerbrenner und hat seine besten Jahre sogar noch vor sich." Dies hat schon mal ein ganz Großer verkannt: G+J-Patron Henri Nannen hatte dem Magazin noch vor dem Start ein schnelles Ende prophezeit, mit der Begründung: „Bald essen wir alle sowieso nur noch Pillen." rp
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