Lizenz: "FTD"-Sprecher korrigiert "Handelsblatt"-Verleger Dieter von Holtzbrinck

Donnerstag, 28. Oktober 2010
Die Einlassungen von Dieter von Holtzbrink sind laut G+J "nicht zutreffend"
Die Einlassungen von Dieter von Holtzbrink sind laut G+J "nicht zutreffend"

Neuer Stil im Wettbewerb: Fand Konkurrenz-Bashing bisher eher in Hintergrundgesprächen statt, nutzen "Handelsblatt"-Verleger Dieter von Holtzbrinck und sein Chefredakteur Gabor Steingart nun auch fachöffentliche Eigenveranstaltungen, in denen es eigentlich um die Performance des eigenen Blattes gehen sollte, zu Verbalattacken gegen den Wettbewerber "Financial Times Deutschland" (Gruner + Jahr) - so am Mittwoch dieser Woche in Frankfurt. Doch dabei stimmen möglicherweise nicht alle Fakten. So hatte von Holtzbrinck angedeutet, dass der Lizenzvertrag der "FTD" mit der britischen Pearson-Gruppe bald auslaufe. Ob es zu einer Verlängerung komme, sei unklar, meinte von Holtzbrinck über die Vertragsstatuten seines Konkurrenten zu wissen. Ein G+J-Sprecher widerspricht auf Anfrage. Die "Einlassung" von Holtzbrincks sei nicht zutreffend: "Gruner + Jahr hat erst im Jahr 2008 einen lang laufenden Lizenzvertrag geschlossen." Was "lang laufend" genau bedeutet, wollte er nicht sagen; die Laufzeit sei "marktüblich". Verlags- und Rechtsexperten halten 10 Jahre für üblich. Demnach würde die "FTD"-Lizenz erst 2018 wieder zur Verlängerung anstehen.

Die defizitäre "FTD" ist dem defizitären "Handelsblatt" am heutigen Donnerstag sogar einen ganzen Absatz in einem großen 4-spaltigen Artikel in eigener Sache wert. "Der Verleger äußerte sich skeptisch zu den Erfolgsaussichten der 'FTD'", heißt es da, und weiter: "Die Anzeigen- und Vertriebserlöse der 'FTD' reichten seiner Einschätzung nach nicht aus, die Kosten zu decken. Eine Übernahme komme für ihn aber nicht infrage." Dass umgekehrt G+J an einer Übernahme des "Handelsblatts" interessiert gewesen sei, das hat von Holtzbrinck immerhin am Mittwoch auf seiner Veranstaltung eingeräumt.

Ein G+J-Sprecher will sich dazu nicht weiter äußern. Nur soviel: Die "FTD" habe im laufenden Geschäftsjahr im Anzeigenmarkt "deutlich an Marktanteilen hinzugewinnen" können, man liege "sehr deutlich über Vorjahr und deutlich über dem Marktwachstum". Dies behauptet indes auch die Verlagsgruppe Handelsblatt - zu der auch die "Wirtschaftswoche" gehört - von sich, die laut Eigenberichterstattung „derzeit im Anzeigengeschäft zweistellig (wächst) und damit über dem Markt der Wirtschaftsmedien, der um rund sieben Prozent zulegte".

Objektiver als Werbeumsatz-Selbstlob auf Bruttobasis ist jedoch ein Blick in die aktuelle IVW-Auflagenstatistik: Die Abos des "Handelsblatts" sanken im 3. Quartal gegenüber Vorjahr um 3,9 Prozent auf 79.193 Hefte; die Einzelverkäufe brachen gar um 23,9 Prozent ein auf nun 5.204 Stück. Die Abos der "FTD" sanken in diesem Vergleich ebenfalls um 3,9 Prozent auf 49.124 Hefte; die Einzelverkäufe gingen allerdings "nur" um 11,3 Prozent auf 3.783 Hefte zurück. rp
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