Liberty Global übernimmt Kabel BW

Dienstag, 22. März 2011
Der Kabelnetzbetreiber gehört ab sofort zum Medienimperium von John Malone
Der Kabelnetzbetreiber gehört ab sofort zum Medienimperium von John Malone


Das von John Malone kontrollierte US-Unternehmen Liberty Global übernimmt den Kabelnetzbetreiber Kabel BW, der derzeit vom Finanzinvestor EQT kontrolliert wird. Kabel BW ist nach Kabel Deutschland und Unitymedia, das ebenfalls zu Liberty gehört, der drittgrößte Kabelnetzbetreiber in Deutschland und versorgt Baden-Württemberg. Ende 2010 erreichte Kabel BW mit Fernseh-, Breitbandinternet- und Telefonie-Angeboten rund 3,7 Millionen Haushalte. 2,4 Millionen Endkunden waren an das Kabelnetz angeschlossen. "Diese Transaktion erweitert unseren Zugang zu einem der am schnellsten wachsenden Kabelmärkte Europas und steht voll und ganz im Einklang mit unserer Strategie, gezielt hervorragende Kabelnetzbetreiber zu erwerben, die für uns wert- und wachstumssteigernd sind", sagt Mike Fries, President und CEO von Liberty Global.

Liberty Global legt für Kabel BW in mehreren Schritten insgesamt rund 3,16 Milliarden Euro auf den Tisch. Die Übernahme muss jedoch noch von den zuständigen Kartellbehörden genehmigt werden. Wenn Liberty Kabel BW kaufen darf, wird der Kabelmarkt weiter konzentriert. Schon jetzt stehen die drei Betreiber nicht im Wettbewerb miteinander. Während Kabel BW Baden-Württemberg versorgt, ist Unity in Hessen und Nordrhein-Westfalen unterwegs, Kabel Deutschland kontrolliert die übrigen Bundesländer. Konkurrenz bekommen die Anbieter nur von anderen Übertragungswegen wie Satellit oder die Telekom. Unity und Kabel BW kommen gemeinsam auf 8,7 Millionen Haushalte.

Sollte die Behörde den Deal stoppen, so hat Liberty nach "FTD"-Informationen schon einen Notfallplan in der Tasche. Die Investmentbank JP Morgan würde die Firma übernehmen und weiterverkaufen. Für eine eventuelle Differenz zum jetzigen Kaufpreis käme Liberty auf. Auch die Mehrerlöse sollten Liberty zufließen.

Bei der Finanzierung des Kaufpreises verhält sich Liberty wie ein Finanzinvestor: Kabel BW soll die Schulden aufgeladen bekommen, die Liberty für den Deal aufnehmen muss. Derzeit liegt die Nettoverschuldung des Kabelnetzbetreibers bei 1,08 Milliarden Euro, künftig wäre es in etwa doppelt so viel. Der Umsatz von Kabel BW lag 2010 bei 563 Millionen Euro - 14 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis (Ebitda) ist um 21 Prozent auf 316 Millionen Euro gestiegen. pap
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