Lanz-Debüt bei "Wetten, dass...?": Die Pressestimmen

Montag, 08. Oktober 2012
Markus Lanz moderierte am Samstag zum ersten Mal "Wetten, dass...?"
Markus Lanz moderierte am Samstag zum ersten Mal "Wetten, dass...?"


13,62 Millionen Zuschauer: Betrachtet man die Quoten, hat Markus Lanz eine ordentliche Premiere als Moderator von "Wetten, dass...?" hingelegt. Doch was bot die Sendung inhaltlich? Ist es Lanz gelungen, den Zauber des Showtankers wiederzubeleben? Die TV-Kritik fällt diesbezüglich skeptisch aus.

Hans Hoff, "Handelsblatt"

Markus Lanz mit Rolando Villazón (Bild: ZDF / Sascha Baumann)
Markus Lanz mit Rolando Villazón (Bild: ZDF / Sascha Baumann)
Lanz unterscheidet sich trotz viel zu vielen offenen Hemdknöpfen in Sachen Ausstrahlung nicht wesentlich vom Bezug der Gästecouch und muss schon verteufelt oft auf sich aufmerksam machen, damit man überhaupt eine Ahnung erhält, warum er da ist. Wohl genau aus diesem Grund sagt er allein in der ersten halben Stunde gefühlte 50 Mal ich. „Ich wette, dass das eine oder andere heute in die Hose geht“, sagt er vorauseilend, und dann betont er mal wieder, wie sehr er doch gebeten wurde, diesen Job zu übernehmen. „Ich habe das alles nicht gewollt“, kokettiert er. Schließlich kommt in Abwandlungen seine Standardfloskel zum Einsatz. „Wir werden darüber zu reden haben“, droht er mehrfach. Dann kündigt er an: „Wir werden gleich ausführlich darüber sprechen“, oder er sagt: „Darüber wird zu reden sein.“ Dann redet er los und sagt: nichts. Er macht Gags, die so wenig witzig wie originell sind. Er hält sich trotzdem für irre mutig, wenn er etwa das Gespräch mit dem Sänger Rolando Villazón mit der Frage eröffnet, wer ihm denn an diesem Tag die Nasenhaare geschnitten habe. Grundlage, und das muss der alerte Markus schnell mal dazwischen schieben, ist natürlich eine Anekdote aus seinem irre aufregenden Leben, in dem er, also der Markus, mal gesehen hat, wie sich zwei Sänger gegenseitig die Nasenhaare entfernten. Wow!"

Stefan Kuzmany, "Spiegel Online"

Gerät ins Schwanken: Markus Lanz (Bild: ZDF / Sascha Baumann)
Gerät ins Schwanken: Markus Lanz (Bild: ZDF / Sascha Baumann)
"Ja, gut, sicherlich, der Druck war immens hoch, es ist dann auch nicht alles optimal gelaufen, aber das kann man Markus Lanz wirklich nicht vorwerfen. Er war mental bestens vorbereitet und auch körperlich auf den Punkt fit, der Herausforderung in jeder Hinsicht gewachsen. Zwischendurch ist dem 43-jährigen Südtiroler zwar merklich die Puste ausgegangen, doch aufgegeben hat er nie. Am Ende wurde sein Wille mit einer persönlichen Bestleistung belohnt, die durchaus Hoffnung macht auf seine künftige Performance. Die erste Etappe ist geschafft. Im Trainingslabor am Mainzer Lerchenberg wird man weiter an der Optimierung seiner Unterhaltungswerte arbeiten."

Michael Hanfeld, "FAZ Online"

Stargast Campino (Bild: ZDF / Sascha Baumann)
Stargast Campino (Bild: ZDF / Sascha Baumann)
"Hier geht es um eine in die Jahre gekommene Unterhaltungsshow und nicht um das Himmelreich. Es geht um einen Moderator, der bei der quälenden Suche dritte Wahl war (nach Hape Kerkeling und Jörg Pilawa), der nett daherkommt, aber alles andere als schlagfertig und witzig ist, dafür ein guter Geschäftsmann. Er moderiert „Wetten, dass ..?“ nämlich nicht nur, er produziert die Show auch. Das lohnt sich. „Sind wir spät geworden?“ wollte Lanz zum Abschluss wissen. Ja, spät war’s, so gegen halb zwölf. Es steht zu befürchten, dass das im Zweiten jetzt häufiger passiert."

Bernhard Hübner, "Financial Times Deutschland"

"Markus Lanz moderiert fröhlich und rastlos wie ein frisch aufgeladenes Duracell-Häschen. Dass ihm vor Aufregung die Hände zittern, gibt er offen zu. Seine besten Momente aber hat er auf dem Sofa, wenn er im Gespräch mit den Gästen subtil aber direkt persönlich wird. Er redet mit Fußballstar Rafael van der Vaart über dessen ärmliche Kindheit in einer Wohnwagensiedlung und mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft über ihre übereilte Hochzeit. Dann wünscht man sich fast, die Show bestünde nur aus Lanz, den Gästen und dem Sofa. Ohne diese ganzen schnarchigen Wetten. Aber diese Sendung gibt es ja schon und die heißt "Markus Lanz" und läuft viermal die Woche im ZDF."

Carolin Ströbele "Zeit"

"Innovation sieht anders aus. (...) Aber um eine Revolution des Formats war es Lanz auch nicht gegangen. Er hatte nie den Anspruch, seinen Vorgänger Gottschalk zu überbieten. Vielmehr wollte er zurück zum Wohlfühlfernsehen eines Frank Elstner. Das ist Lanz erstaunlicherweise gelungen, auch wenn es auch nicht unbedingt sein Verdienst ist. Vielmehr entwickelten sich Wotan Wilke Möhring und auf seine knorzige Art sogar Karl Lagerfeld zu amüsanten Co-Moderatoren."

Jörn Lauterbach "Die Welt"

"Es stimmt schon, "Wetten, dass..?" ist nicht Hochkultur, es ist eine Show, eine sehr große Show – wenigstens vom Aufwand her. Lanz ist damit zurecht gekommen, auch weil er gar nicht versuchte, etwas anderes zu sein als er selbst. (...) Aber er hat, auch das hat er in Düsseldorf gezeigt, jede Chance zur Entwicklung – wenn die Last der Premiere weg ist und die Liebe zu diesem schwierigen Format, das doch so leicht daherkommen soll, in ihm wächst."

Stefan Hauck, "Bild am Sonntag"

"Es war am späten Ende vieles wie bei Elstner. Manches wie bei Lippert (ja, dieses Kumpelige...), und natürlich eine Menge wie bei Thomas Gottschalk. Das Entscheidende aber war von Lanz. Der Einsatz, die Begeisterung, dieses: Ja, ich will. Und dann ist so eine Samstagabend-Show eben auf einmal doch ein bisschen mehr als nur Fernsehen von Gestern."

Matthias Kalle, "Tagesspiegel"

"(...) Die Show hat es hinter sich. Ein Jahr lang hat sie niemand vermisst, der Samstagabend hat gezeigt, dass das Fernsehen sie nicht mehr braucht. Und die wenigste Schuld daran trägt Markus Lanz, der sich nach anfänglicher Nervosität sichtlich bemühte den Laden zusammenzuhalten – und dabei scheiterte. Bereits nach einer Stunde zerfranste die Sendung, es fehlte das Tempo, die Geschwindigkeit, der Fluss, was vor allem daran lag, dass die Sendung zu viel auf einmal sein wollte: Talk, Comedy, Show – „Wetten, dass..?“ verlor sich plötzlich, spätestens als der Schauspieler Wotan Wilke Möhring während seiner Wettpatenschaft die Moderation übernahm, kippte es ins Absurde. Lanz wirkte daraufhin manchmal hilflos und verwechselte moderieren mit reden. Ein Fehler, den er in Zukunft beheben sollte."
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