Kurs der Pro Sieben Sat 1 Media nach Bestätigung der Fusion mit Kirch Media im freien Fall

Freitag, 07. September 2001

Die Wehen der Fusion von Pro Sieben Media und Sat 1 sind kaum ausgestanden und schon steht der nächste Zusammenschluss zweier Unternehmen aus dem Imperium von Leo Kirch vor der Tür. Kirch Media soll spätstens bis Juni 2002 - wie nun bestätigt wurde - mit der börsennotierten Pro Sieben Sat 1 Media verschmelzen und dann in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft als neuer Titel an der Börse gelistet werden. Chef der neuen Kirch Media mit einem Jahresumsatz von etwa 7 Milliarden Mark wird Kirch-Vize Dieter Hahn. Der Pro-Sieben-Vorstandsvorsitzende Urs Rohner soll im Vorstand für den Bereich Fernsehen zuständig sein.

Seit der offiziellen Bestätigung befindet sich die Aktie der Pro Sieben Sat 1 Media im freien Fall. Der Kurs notierte heute morgen um 17 Prozent im Minus bei 8,17 Euro. Da helfen auch keine aufmunternden Worte von Urs Rohner, derzeit noch Vorstandschef der Pro Sieben Sat 1 Media. "Durch den Zusammenschluss der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe mit Kirch Media haben wir die einmalige Chance, gemeinsam ein vertikal voll integriertes Medienunternehmen zu formen, das die Wertschöpfungskette im Bereich der audiovisuellen Medien mit den Sparten Free-TV, Rechtehandel, Sportrechte und Produktion nahezu abdeckt", erklärt der Schweizer. Der designierte Konzernchef Dieter Hahn macht durch die Fusion ein Einsparpotenzial in der Höhe eines zwei- bis dreistelligen Millionen-Mark-Betrags aus.

Doch an den Aktienmärkten bleibt noch Überzeugungsarbeit zu leisten: Viele Analysten bewerten die Fusion als einen Schritt, mit dem Kirch in erster Linie Minderheitsgesellschafter wie Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch befriedigen will, denen ein Börsengang der Kirch Media bis spätestens 2003 zugesagt worden war. Zudem wird die mangelnde Transparenz der Kirch Media kritisiert, auch die Bewertung der Kirch Media für die Fusion werfe Probleme auf. Die US-Investmentbank Merrill Lynch stufte daher gestern die Aktie von Pro Sieben Sat 1 herab. Erst vor wenigen Tagen hatte das auch die Düsseldorfer WGZ-Bank getan.

Mit der Fusion erhält auch die Ausstiegsklausel des Springer-Verlags eine neue Brisanz, der noch mit 11,5 Prozent an Pro Sieben Sat 1 beteiligt ist. Springer soll nach Branchenspekulationen seit einiger Zeit unzufrieden mit seiner einflusslosen Minderheitsrolle im TV-Konzern sein und würde in dem erweiterten Unternehmen weiter an Bedeutung verlieren. Zudem wäre ein Verkauf für den von der Werbekrise in Mitleidenschaft gezogenen Verlag auch finanziell verlockend. Für den Springer-Anteil, der an der Börse zurzeit nur 500 Millionen Mark wert wäre, soll ein Kaufpreis von 1,5 Milliarden Mark vereinbart sein.
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