Kündigung per Telefon: Warum Yahoo-Chefin Carol Bartz gehen muss

Mittwoch, 07. September 2011
Mit sofortiger Wirkung gefeuert: Carol Bartz
Mit sofortiger Wirkung gefeuert: Carol Bartz

Die Ära Carol Bartz bei Yahoo ist beendet. Die weltweite Chefin des Internetkonzerns wurde mit sofortiger Wirkung gefeuert. Laut Reuters soll Bartz telefonisch von ihrer Kündigung erfahren haben. Wie Yahoo mitteilt, soll Finanzchef Timothy Morse nun interimsweise den CEO-Posten übernehmen. HORIZONT.NET erläutert die Hintergründe. "Ich bin sehr traurig darüber, mitteilen zu müssen, dass ich gerade per Telefon von Yahoos Verwaltungsratschef gefeuert worden bin", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus einer E-Mail von Carol Bartz an die Mitarbeiter des Konzerns. Bartz hatte Anfang 2009 den CEO-Posten von Jerry Yang übernommen. Der als CEO glücklose Unternehmensgründer war damals in die Schusslinie der Yahoo-Aktionäre geraten, weil er sich mit aller Kraft gegen die seinerzeit geplante Übernahme durch Microsoft gewehrt hatte.

Dass mit Bartz nun auch Yangs Nachfolgerin gehen muss, dürfte daran liegen, dass auch die ambitionierte Managerin den Abwärtstrend bei der Geschäftsentwicklung nicht stoppen konnte. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: So sind die Quartalsumsätze von Yahoo seit 2007 von mehr als 1,8 Milliarden Dollar auf zuletzt nur noch 1,2 Milliarden Dollar zurückgegangen (siehe Chart unten). Im wichtigen US-Markt hat Yahoo trotz der Allianz mit Microsoft gegenüber Facebook deutlich eingebüßt: So war das Social Network im 1. Quartal 2011 mit 346 Milliarden Ad-Impressions und einem Marktanteil von gut 31 Prozent der mit Abstand größte Display-Advertiser in den USA. Yahoo kam mit 112 Milliarden Ads-Impressions gerade mal auf einen Marktanteil von 10,1 Prozent.

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In Deutschland hat Yahoo zuletzt ebenfalls an Boden verloren. So belegte das Yahoo im 2. Quartal 2010 mit 23,4 Millionen Unique Usern im Agof-Ranking noch den 7. Platz. Im Mai 2011 reichten die 22,3 Millionen Unique User nur noch für Platz 9. Auch im Comscore-Ranking der meistbesuchten deutschen Websites rangiert Yahoo mit 19,3 Millionen Besuchern unter ferner liefen. Im Nielsen-Ranking der deutschen Suchmaschinen belegt Yahoo mit einer Reichweite von 3,4 Prozent ebenfalls nur den 6. Rang nach Google, Google Bilder, T-Online, Ask.com und Bing.

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Ob Yahoo eine Trendwende zum Besseren herbeiführen kann dürfte eng mit der Frage verknüpft sein, wie schnell der Konzern seine Lücke im Top-Management schließen kann. Dass Finanzchef Timothy Morse nur eine Übergangslösung ist, zeigt auch der neu eingerichtete Executive Leadership Council, dessen Mitglieder Morse so lange unterstützen sollen, bis der neue CEO gefunden ist. Die Suche läuft dem Vernehmen nach bereits auf Hochtouren. mas
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