Kopfgeld: Verkauf von Bertelsmann-Springer soll mit Sonderprämie forciert werden

Freitag, 22. November 2002

Bis spätestens Juli 2003 will der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann seine profitabel arbeitende Fachverlagsgruppe Bertelsmann Springer in Berlin verkauft haben - zu einem Preis von rund 900 Millionen Euro. Dies gehe aus internen Papieren hervor, die unter dem Decknamen "Chess" entsprechende Strategien zu dem Verkauf erörtern, meldet die "Süddeutsche Zeitung".

Zwar seien noch keine Verkaufsprospekte gestreut, doch laufe die Operation auf vollen Touren. Außerdem sei bereits geregelt worden, wie die Führungskräfte der Tochterfirma zu besonderen Verkaufsanstrengungen angeleitet werden können. Einem kleinen Kreis von knapp 20 Top-Managern habe Bertelsmann-Finanzchef Siegfried Luther darüber hinaus das Angebot eines "Premium-Programs" gemacht, nach dem im Falle eines gelungenen Deals einige Millionen Euro Sonderzahlungen ausgeschüttet werden sollen. So würden als "Ausgangsbetrag" 175.000 Euro brutto pro Person ausgeschüttet, wenn "der vereinbarte Basiskaufpreis 900 Millionen Euro erreicht". Allerdings müsse die Firma "bis zum 30.Juni 2003 verkauft werden. Die Kosten für den geplanten Verkauf belaufen sich nach Schätzungen von Branchenexperten voraussichtlich auf 60 Millionen Euro. Bei Bertelsmann-Springer reagiert man auf den Bericht zugeknöpft: "Das sind Spekulatiuonen, zu denen wir keine Stellung nehmen", meint Unternehmenssprecherin Sabine Schaub.

Als Kaufinteressenten für die Fachverlagssparte erwartet Fachpresse-Chef Arnold Bahlmann eine Reihe Finanzdienstleister von Venture- Capital-Firmen, die über hohe Geldsummen verfügen und diese in der Regel mit der Aussicht auf hohe Renditen in schlagkräftige Unternehmen investieren (HORIZONT 47/2002). Außerdem soll die Fachverlagsgruppe nicht aufgeteilt werden, sondern als Ganzes veräußert werden. Der Gütersloher Konzern benötigt nach der Übernahme des amerikanischen Zomba-Labels bekanntlich externes Kapital.
Meist gelesen
stats