Konzentration auf dem Zeitungsmarkt nimmt zu

Montag, 15. Dezember 2003

Die Konsequenzen, mit denen der Printmarkt durch die Rezession und die veränderte Mediennutzung konfrontiert ist, werden das empfindliche Kräfteverhältnis der überregionalen, regionalen und lokalen Zeitungsverlage empfindlich stören. Die aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young kommt zu dem Ergebnis, dass die zum Teil drastischen Umsatzrückgänge im Rubrikengeschäft das duale Finanzierungskonzept - zwei Drittel Anzeigenerlöse und ein Drittel Vertrieb - nachhaltig beschädigt haben.

Allein in den Stellenmärkten sind die Anzeigenumfänge seit 2000 um fast 70 Prozent zurückgegangen. Lag der Umfang der bezahlten Stellenanzeigen im Jahr 2000 noch bei rund 320 Millionen Euro, so wird er 2003 voraussichtlich auf etwa 100 Millionen Euro abgesunken sein. Bei den Immoblien- und Kfz-Anzeigen betragen die Rückgänge in den letzten drei Jahren jeweils 27 Prozent. Diese Entwicklung ist nach Ansicht der Beratungsspezialisten nicht allein auf die konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen. Vielmehr habe eine nachhaltige Verlagerung ins Netz stattgefunden, der zum Teil irreversibel ist. Nur großen Zeitungen sei es möglich, eigene Online-Portale dank ihrer Markenstärke auch zu neuer Umsatzgenerierung zu gewinnen. Bei kleineren Regionalzeitungen sei es dagegen fraglich, ob für Bannerwerbungm Research-Möglichkeiten und Online-Rubrikenanzeigen tatsächlich ein ausreichender Markt vorhanden ist.

Ein weiteres Problem mit Langzeitwirkung ortet Ernst & Young in der Finanzierungsproblematik: Die zunehmende Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe vor allem an mittelständisch geprägte Unternehmen führe zu einem Finanzierungsdilemma. Für die Zukunft kommt die Studie zu ernüchternden Ergebnissen: Neben einigen überregionalen "Premium-Zeitungen" werden sich in Deutschland regional tätige Zeitungsgruppen herausbilden. Kleinere Lokal- und Regionalzeitungen werden in die regionalen Marktführer integriert oder aus dem Markt verdrängt. Nur wenige Lokalzeitungen könnten als selbstständige und rechtlich unabhängige Einheiten fortbestehen. nr
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