Konsequenz aus dem Grosso-Urteil: Pressevertrieb Grade wird verkauft

Mittwoch, 26. Oktober 2011
Die Pressevertriebe stehen womöglich vor weiteren Fusionen
Die Pressevertriebe stehen womöglich vor weiteren Fusionen


Das Urteil des Bundesgerichtshof im jahrelangen Grosso-Streit kostet ein erstes Opfer: Der vor Gericht gegen Bauer unterlegene Grossist Pressevertrieb H.-U. Grade wird verkauft, der Standort des Familienunternehmens in Elmshorn geschlossen. Auf einer Betriebsversammlung informierte der Inhaber Alexander Grade gestern die Mitarbeiter, dass das Unternehmen an einen anderen Grossisiten verkauft wird. Zu dem Verkauf hätten ihn während des Prozesses mehrere Verlage gedrängt, sagte der Firmeninhaber gegenüber der Zeitung "Uetersener Nachrichten". Der Verkauf solle im Verlauf des kommenden Jahres über die Bühne gehen, ein Großteil der Mitarbeiter erhalte ein Übernahmeangebot.

Grade hatte nach seiner Kündigung mit seiner Klage gegen die Bauer Media Group einen dreijährigen Rechtstreit ins Rollen gebracht, der bis vor das Bundesgerichtshof ging. Dieser hat am Montag das Kündigungsrecht von Bauer bestätigt. Mit dem Verkauf von Grade scheinen sich nun die Befürchtungen des Bundesverbandes Presse-Grosso zu bestätigen, der "negative Folgen für Pressevielfalt und Vertriebsneutralität des deutschen Presse-Grosso-Systems" zumindest nicht ausschließen wollte.

Inwieweit das Urteil auf andere Fälle übertragbar ist, ist zwar noch nicht abschließend geklärt. Beobachter messen dem Urteil jedoch grundsätzliche Bedeutung bei. "Jedem Unternehmen steht es grundsätzlich frei, den bisher unabhängigen Händlern übertragenen Vertrieb seiner Produkte selbst zu übernehmen", urteilte der BGH.

Auch der Elmshorner Grossist Grade, der das Familienunternehmen nun nach 66 Jahren aufgibt, erwartet negative Folgen für die Branche insgesamt: Die Verlage könnten die rund 70 Grossisten in Deutschland nun zu Fusionen zwingen oder Sonderkonditionen durchdrücken. dh
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