Kommentar zu Bezahl-Apps: Wie Steve Jobs Mathias Döpfner hilft

Mittwoch, 09. Dezember 2009
-
-

Mit Kommentaren und Plädoyers für Paid Content hatte Springer-„Außenminister" Christoph Keese die geneigte Öffentlichkeit schon seit Wochen darauf eingestimmt. Am Dienstag abend wurde es ernst. Im Journalistenclub des Springer-Hochhauses präsentierte Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner die kostenpflichtige Vollversionen von „Bild" und „Welt" für Apples iPhone. Ab Mitte dieser Woche können die Apps abonniert werden. Paid Content is king, zumindest mobile. Die Apps - die Einführung wird von einer von Jung von Matt/Alster entwickelten Kampagne begleitet - sind ab sofort zum im Appstore von Apple erhältlich. Für einen Schnäppchenpreis - 79 Cent kostet die "Bild"-, 1,59 Euro die "Welt"-App im ersten Monat - erhält der Nutzer  - so zumindest der Eindruck nach einem Kurztest - jede Menge Features: Exklusiv-Nachrichten, Video, frei konfigurierbare Anwendungen, die Printausgaben der Zeitungen können schon am Vorabend im gut navigierbaren Pdf gelesen werden. Es hat Hand und Fuß, was das Team um Koordinatorin Donata Hopfen in relativ kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat. Und es ist eine richtige, und möglicherweise wegweisende Entscheidung, beide Angebote kostenpflichtig zu machen, und nicht, wie beispielsweise die App des „Stern" auf eine mögliche Einnahmequelle zu verzichten.

Freilich: Dass es sich bei den Angeboten nicht um die Neuerfindung des Journalismus handelt, macht Döpfner deutlich: „Das Ganze hat den Charakter eines Laborversuchs", sagt der Springer-Chef. Er sagt aber ebenso: „Das Paradigma, dass im Internet alles, und damit auch guter Journalismus, kostenlos ist, muss geändert werden."

Was die Apps kosten

Die „Bild"-App kostet für die ersten 30 Tage 79 Cent, danach können die Nutzer zwischen zwei verschiedenen Abo-Modellen wählen: mit der Printausgabe des Folgetags ist die App für 3,99 Euro pro Monat erhältlich, ohne PDF kostet sie 1,59 Euro monatlich. Die „Welt"-App gibt es im ersten Monat für 1,59 Euro, danach als PDF-Version für 4,99 Euro beziehungsweise 2,99 Euro pro Monat (ohne PDF). Erfahrungen mit dem Applikationen-Modell hat Springer bereits im Sommer gesammelt. Mit "Mein Klub Premium" hatte Bild.de, die erste kostenpflichtige App des Verlags gestartet, seit Ende Oktober bietet auch die „B.Z." eine eigene App an.



Der Versuch ist es wert - und sollte anderen Medienhäusern Mut machen, zu experimentieren. Wie wollen die Verlage je herausfinden, ob Nutzer bereit sind, für gute Inhalte im Digitalen zu bezahlen - simple Paymentmethoden vorausgesetzt (und die bietet das iPhone), wenn sie es nicht versuchen? „Die Branche", redete Döpfner den anwesenden Journalisten bei der Vorstellung der beiden Angebote ins Gewissen, hat die „Verpflichtung, mehr auszuprobieren."

Was ein kleiner Schritt für die Menschheit ist, könnte für Axel Springer schon ein größerer sein. Und wer weiß, vielleicht überreicht VDZ-Präsident Hubert Burda Apple-Chef Steve Jobs im kommenden Jahr die Goldene Victoria für seine Verdienste um die Paid-Content-Modelle der Verlage? Verdient hätte er es. vs
Meist gelesen
stats