Kommentar: Apple oder die Arroganz der Macht

Dienstag, 04. Mai 2010
Apple-Chef Steve Jobs
Apple-Chef Steve Jobs

"1984" – das war der Titel eines fulminanten und bahnbrechenden Apple-Werbespots aus dem Jahr 1984. Mit dem vom Ausnahme-(und meinem Lieblings-)Regisseur Ridley Scott gedrehten Commercial wurde seinerzeit der Apple Macintosh eingeführt. Aber er war natürlich auch eine Kampfansage an das System IBM. Wo bleibt die "Kampfansage" an das System Apple?
Wenn die Horrormeldungen zu Apples Werbeplattform iAd wirklich zutreffen, dann ist höchste Alarmstufe angesagt. Ja, es ist hinlänglich bekannt, dass Apple-Produkte teuer sind, wie HORIZONT.NET-Kollege Marco Saal schreibt. Doch Apple ist dabei, die Grenze zwischen teuer und unverschämt zu überschreiten. Hinter den unverschämt gut designten Apple-Produkten (ein Hauptgrund für den in der Werbeszene besonders lebendigen Apple-Kult) erscheint zunehmend das gar nicht mehr so attraktive Gesicht des arroganten Monopolisten.

Ich weiß nicht, ob es die amerikanische Gastfreundschaft war, die Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner in einer US-Talkshow ein Lobeslied auf Steve Jobs anstimmen ließ: "Jeder Verleger auf der ganzen Welt sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs für das iPad danken." (So wird sein Statement zumindest auf den deutschen Websites wiedergegeben). Das Döpfner-Statement klang schon vor einem Monat merkwürdig, unreflektiert, fast beifallheischend in meinen Ohren (und Mathias Döpfner ist weder merkwürdig, unreflektiert und/oder beifallheischend). Denn: So unbestritten das iPad neue Formen der Kreativität, neue journalistische Formen und eine neue Art und Weise des Medienkonsums hervorbringen wird – den sich teilweise dramatisch auf Low-Level-Niveau verschmälernden Geschäftsaussichten vieler Verleger wird das iPad nur in Ausnahmefällen zu neuer Blüte verhelfen können.

Dass es den Printmedien eher schlecht als gut geht, ist vielen kühl kalkulierenden Werbungtreibenden und Agenturen ziemlich egal: Sie wollen möglichst kostengünstig und effizient möglichst viele Konsumenten erreichen. Und wenn Agenturen und Werbungtreibende glauben, man erreicht auf dem iPad künftig mehr und besser Konsumenten als in Printmagazinen, dann kann man sich leicht ausrechnen, wohin die Werbegelder wandern. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Daran orientiert sich Apple. Das ist sein gutes Recht als derzeit monopolistischer Anbieter. Dem Markt und der Entwicklung neuer Medienformate schadet dies auf Dauer. So kalkuliert offensichtlich auch Apple – und fordert unverschämte Preise für die von iAd vermarkteten Angebote auf iPad und iPhone. Google, hat WPP-Chef Martin Sorrell einmal gesagt, sei ein "Frenemy" für die Werbeindustrie. Apple ist das auch. vs
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