"Können Sie mal das Maul halten": SWR streamt Beck-Ausraster

Freitag, 05. Oktober 2012
Kurt Beck, kurz vor seinem Wutausbruch (Bild: SWR/Screenshot)
Kurt Beck, kurz vor seinem Wutausbruch (Bild: SWR/Screenshot)


Wer schon immer mal sehen wollte, wie ein hochrangiger Politiker vor laufenden Kameras die Contenance verliert, der musste am Tag der Deutschen Einheit nur beim SWR einschalten. Der Sender interviewte auf einem Festakt in München den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, als ein Zuschauer sich auf provozierende Weise in das Gespräch einschaltete. Becks anschließender Ausraster landete als Ausschnitt in der SWR-Mediathek. Was war passiert: Beck stand kurz vor einer Diskussion mit Schülern über Bürgerbeteiligung und wollte dem SWR hierzu auch ein paar Sätze sagen, als sich aus dem Hintergrund eine Stimme meldet: "Wir Bayern bezahlen den Nürburgring. Und den Betzenberg". Der Hinweis auf das Millionendesaster der zum Freizeitpark umgebauten Rennstrecke scheint Beck noch kalt zu lassen, auf die Heimspielstätte von Becks Lieblingsclub 1. FC Kaiserslautern lässt der scheidende Landesvater aber offenbar nichts kommen: Er dreht sich genervt um und ruft: "Können Sie mal das Maul halten! Einfach mal das Maul halten!" Auf die Entgegegnung des Wutbürgers, er sei nur ehrlich, sagt Beck "Sie sind nicht ehrlich, Sie sind dumm."

In der "Bild" verteidigt Becks Sprecherin Monika Fuhr den Wutausbruch ihres Chefs: "Der Ministerpräsident wurde während eines Interviews von einem Passanten angeschrien. Dagegen hat er sich mit deutlichen Worten verwahrt. Auch ein Politiker muss sich nicht alles gefallen lassen. Und: Wer austeilt, muss auch einstecken können." Dass der Ausschnitt durch die Mediathek des SWR gut dokumentiert ist, verteidigt Fritz Frey, Chefredakteur Fernsehen Rheinland-Pfalz, gegenüber der "Bild" mit der "Chronistenpflicht" des Senders.

Kurt Beck scheidet im Januar 2013 aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz aus, das er seit 1994 bekleidet. Beck gilt als Politiker, dier sehr viel Wert auf Bürgernähe legt- dennoch geriet er während seiner Amtszeit bereits öffentlichkeitswirksam mit einem Bürger aneinander: 2006 empfahl er einem Hartz-IV-Empfänger sich zu waschen und zu rasieren, dann klappe es auch mit einem Job. ire
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