Klicks, Kosten und zu wenig Moneten

Mittwoch, 08. April 2009
Videoportale wie Youtube sind beliebt, aber weitgehend werbefrei
Videoportale wie Youtube sind beliebt, aber weitgehend werbefrei

Kennen Sie Fred? Sein Kanal bei Youtube hat über eine Million Abonnenten. Rekord. Seine Videos sehen regelmäßig mehrere Millionen Menschen. Lukrative Bewegtbildwerbung hat Youtube trotz der vielversprechenden Reichweite vor den Clips dennoch nicht platziert. Der Fall offenbart das Dilemma etlicher Plattformen mit User Generated Content. Das Material der Amateure ist an Unternehmen als Werbeplatz kaum vermittelbar. Die Folge: Löcher in der Kasse. Nutzer wie Fred-Macher Lucas Cruikshank bescheren Youtube zwar Traffic, doch treiben sie gleichzeitig die Kosten in die Höhe, weil sich neben den Clips der Amateure bestenfalls (und zuweilen unpassende) Bannerwerbung für kleines Geld zeigen lässt.

Der Schweizer Finanzdienstleister Credit Suisse geht in einer aktuellen Prognose denn auch davon aus, dass das Videoportal im laufenden Jahr Verluste von 471 Millionen US-Dollar einfahren wird. Grund: Kosten für Hardware, Traffic und Lizenzen.

Die Unternehmensberatung Deloitte sieht  in einer Studie sogar schon die Notwendigkeit des kostenpflichtigen Uploads von User Generated Content dämmern.

Insbesondere die Videoportale beschreiten derzeit aber einen anderen Weg. Weil die lustigen Katzenfilme der Nutzer kein Geld bringen, sollen die Werbungtreibenden mit immer mehr professionellem Content gelockt werden.

Beispiel Sevenload: Das Videoportal erweitert im rasanten Tempo sein Angebot an professionellen Inhalten. Nach MTV, Dmax und Unversal Music wurde gerade erst wieder ein Deal unterzeichnet. Diesmal startet National Geographic einen eigenen Branded Channel bei dem Videoportal.

Auch bei Youtube verdichten sich derzeit wieder Gerüchte über Blockbuster-Pläne. Zumindest mit Disney ist Youtube handelseinig. Der Konzern will kürzere Clips aus dem Programm der zu Disney gehörenden Sender ABC und ESPN auf Youtube zeigen.

Nun will der Videoriese auch Sony ins Boot holen. Das Medienunternehmen soll Spielfilme liefern. Verhandlungen laufen, berichtet der US-Branchendienst CNet.

Top-Inhalte sind auch gefragt, um gegen einen immer beliebter werdenden Wettbewerber wie Hulu zu bestehen. Die Videoplattform von NBC und der News Corp. von Rupert Murdoch bietet in den USA inzwischen Spielfilme und Serie satt. 34 Millionen Zuschauer nutzen in den USA bereits das Angebot.

Auch Konkurrent Joost strebt weiter voran. Nachdem Deutschlandstart dieser Plattform verdichten sich auch Anzeichen für eine weitere internationale Expansion von Hulu – inklusive Deutschlandstart. So wurde mit Johannes Larcher als Senior Vice President einen Mann in den Vorstand geholt, der offenbar den internationalen Roll-out voranbringen soll. Inzwischen wurde wohl auch, so die "SZ", ein Medienmanager für den deutschen Markt angeheuert. ork

Mehr zum Thema in der HORIZONT-Ausgabe 15 vom 9. April 2009
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