Kleiner Zank unter G+J-Geschwistern: Hat "Eltern" bei "Nido" gespickt?

Mittwoch, 14. April 2010
"Stern"-Geschäftsführer Thomas Lindner
"Stern"-Geschäftsführer Thomas Lindner

Mit der Ironie ist das so eine Sache: Von Angesicht zu Angesicht ist sie recht leicht zu vermitteln, in Schriftform wird das schon etwas schwieriger. Aber es kann gelingen, sogar zwischen Wettbewerbern in der Medienbranche, sogar innerhalb eines Verlags, sogar bei G+J. Was ist los? Pünktlich zum Start des "Stern"-Ablegers "Nido" im neuen Monatstakt hat sich der G+J-Monatstitel "Eltern" einen Relaunch gegönnt - nach Meinung mancher auch interner Beobachter offenbar in Richtung „Nido", dem nach eigenem Bekunden "neuen Lifestyle-Magazin für junge Eltern": Künftig soll es auch im Traditionstitel "Eltern" mehr um die Belange der Eltern (als Familie, als Menschen mit eigenen Bedürfnissen, als Paar) gehen - und nicht nur um Nutzwert zur (Klein-) Kindpflege und Erziehung; auch die Väter werden einbezogen. Und die Optik ist stylischer geworden, weniger babybunt als vorher.

Hat „Eltern" also dem kleinen Bruder „Nido" auf der grünen G+J-Wiese ein paar Lollies geklaut? „Eltern"-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki hat diesem Eindruck bereits in einem Interview widersprochen. Doch in "Stern"- und "Nido"-Kreisen geht das Gegrummel weiter, und deshalb hat HORIZONT.NET knallhart nachgefragt beim "Stern"-Geschäftsführer Thomas Lindner. Er sagt: "Dass der Relaunch von ,Eltern‘ kurz vor dem Launch von ,Nido‘ stattfindet, ist natürlich reiner Zufall. Und auch etwaige Ähnlichkeiten in der Optik sind ohne ,Spicken‘ auf ,Nido‘ entstanden, da bin ich ungemein sicher."

Wer beide Hefte blättere, erkenne schnell, dass sie sich ihrer Zielgruppe und Themen aus unterschiedlichen Perspektiven näherten und sich in der journalistischen Umsetzung unterschieden: „Ich habe selbst drei kleine Kinder, natürlich war ,Eltern‘ da am Anfang Pflichtlektüre. Irgendwann wird man sicherer und der Blick weitet sich wieder. Da setzt ,Nido‘ an." Und falls „die optische Veränderung des Muttertitels aller deutschen Eltern doch etwas mit dem Markteintritt von ,Nido‘ zu tun hat - nochmal, ich halte das für rein zufällig - würde ich es als Kompliment bewerten. Denn das würde bedeuten, dass wir mit ,Nido‘ vieles gut und richtig machen." Gut, dass jetzt alles geklärt ist. rp
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