Klaus Kleber: Konzept der "Tagesschau" überlebt sich gerade

Donnerstag, 23. Mai 2013
Klaus Kleber äußert sich kritisch zur "Tagesschau" (Foto: ZDF/Kerstin Bänsch)
Klaus Kleber äußert sich kritisch zur "Tagesschau" (Foto: ZDF/Kerstin Bänsch)


"Ist das noch unser Fernsehen?" fragt die "Die Zeit" in ihrer aktuellen Ausgabe und fühlt in einem großen Schwerpunkt den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf den Zahn. In einem Interview gehen die beiden Nachrichtenmänner Ulrich Wickert und Claus Kleber dabei auch mit der "Tagesschau" ins Gericht. Die Präsentationsform des ARD-Nachrichtenflaggschiffs mit von Sprechern verlesenen Meldungen sei nicht mehr zeitgemäß, so die beiden Aushängeschilder des öffentlich-rechtlichen Fernsehens: "Ich glaube, dass sich dieses Konzept gerade überlebt. Weil das, was diese Art von Nachrichten bietet, am ehesten ersetzt wird durch den schnellen Blick ins Internet", sagt Kleber mit Blick auf die "Tagesschau".

Moderierte Nachrichtensendungen wie die "Tagesthemen" oder das "Heute Journal" hätten dieses Problem nicht, schränkt Wickert ein: "Ich finde es schade, dass die 'Tagesschau' nicht moderiert wird. Allerdings kann man das auch nicht in fünfzehn Minuten. Eine längere und moderierte 'Tagesschau' passt wohl nicht in den Abendablauf der Zuschauer. Das ist eine Zwickmühle." Man müsse die Zeichen der Zeit erkennen, fordert Kleber: "Studenten etwa sind, während sie ihre Essays schreiben, auf Facebook aktiv und lesen Spiegel Online. Die brauchen abends die 'Tagesschau' wirklich nicht."

Ein Problem sei auch die zunehmend zeitunabhängige TV-Nutzung: "Wir reißen uns ja die Beine aus, um selbst während der laufenden Sendung noch die aktuellsten Bilder reinzukriegen", berichtet Kleber. "Aber die jungen Leute schauen sich die Sendung erst spätabend oder am nächsten Morgen in der Mediathek an und finden sie aktuell genug. Da raufe ich mit die Haare."

Durchaus wohlwollend äußern sich die beiden öffentlich-rechtlichen Schwergewichte übrigens über "RTL Aktuell": "Vier bis sechs Minuten täglich machen die oft gute Nachrichten", lobt ZDF-Mann Kleber. Danach versinke "RTL Aktuell" allerdings meist im Infotainment. Eine bewusste Abgrenzung von den privaten Sendern sei aber nicht das Ziel von ARD und ZDF: "Wir haben einzig und allein die Aufgabe, möglichst viel relevante Information in möglichst viele Köpfe zu bringen", betont Kleber. "Wir müssen nicht Zuhörerschaft generieren, damit unser Arbeitgeber sie minutenweise an die Werbung vermieten kann. Das ist ein anderes Geschäftsmodell." dh
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