Kirch will Springer-Anteil verkaufen

Montag, 11. Februar 2002

Bei Kirch ist der Traum vom voll integrierten Medienunternehmen offenbar fürs erste ausgeträumt: Der angeschlagene Konzern ist bereit, seinen 40-prozentigen Anteil am Axel-Springer-Verlag abzugeben. Entsprechende Verhandlungen seien in einem "fortgeschrittenen Stadium", wie die "Financial Times Deutschland" berichtet.

Noch vor wenigen Tagen hatte sich der Konzern strikt geweigert, beim Axel-Springer-Verlag auszusteigen. Doch das Medienunternehmen befindet sich in einer ausgewachsenen Finanzkrise. Am Wochenende soll Kirch-Vize Dieter Hahn erstmals zugegeben haben, dass die Kirch-Gruppe unter einem Liquiditätsengpass leide.

Anstoß der derzeitigen Finanzmisere ist die kürzlich wahrgenommene Option des Springer-Verlags, seinen 11,5-prozentigen Anteil an Pro Sieben Sat 1 Media an den finanziell angeschlagenen Konzern zurückzugeben, gegen Zahlung von 767 Millionen Euro. Kirch soll für die Springer-Anteile rund 1 Milliarde Euro erhalten. An der Börse ist die Beteiligung derzeit lediglich 800 Millionen Euro wert. Als heiße Interessenten für die Übernahme gelten der WAZ-Konzern und Burda.Mit diesem Schritt ist der Konzern jedoch noch lange nicht aus dem Schneider.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, sollen Kirchs Banken neben dem Verkauf von Beteiligungen darüber nachdenken, einen Teil ihrer Darlehen in Eigenkapital umzuwandeln. Sie wären dann am Konzern beteiligt und könnten Einfluß auf die Unternehmenspolitik nehmen.
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