Kirch vs. Breuer: Gericht drängt auf Vergleich

Donnerstag, 09. Juni 2011
Leo Kirch kämpft weiter gegen seinen Erzfeind Rolf Breuer
Leo Kirch kämpft weiter gegen seinen Erzfeind Rolf Breuer

Gut geplante Verschwörung oder reiner Zufall? Im aktuellen Prozess von Leo Kirch gegen die Deutsche Bank stand am fünften Verhandlungstag das folgenschwere Interview von Rolf Breuer mit dem Nachrichtensender Bloomberg auf der Tagesordnung. In dem Interview hatte der damalige Chef der Deutschen Bank die Kreditwürdigkeit von Kirchs Medienimperium angezweifelt. Der ehemalige Medienmogul macht den Banker seitdem mitverantwortlich für den Zusammenbruch seines Imperium. An eine Verschwörung gegen Kirch glaubt das Gericht allerdings nicht und drängt die Parteien zu einem Vergleich. "Zum einen dürfte sich die sogenannte Verschwörungstheorie, die Darstellung der Klägerseite, nach jetzigen Stand eher nicht als wahr erweisen", sagte der Vorsitzende Richter Guido Kotschy gestern nach dem fünften Prozesstag. An einen bloßen Zufall, von dem die Bank spricht, glaubt das Gericht allerdings ebenfalls nicht.

Die folgenschwere Antwort von Ralf Breuer

Frage: "Die Frage ist ja, ob man ihm mehr hilft, weiter zu machen."

Breuer: "Das halte ich für relativ fraglich. Was man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine - wie Sie gesagt haben - Stützung interessieren."

In der Verhandlung versuchte das Gericht daher die Umstände des Interviews von Breuer mit dem Nachrichtensender zu rekonstruieren. Nach Aussagen der Beteiligten war das Thema Kirch nicht abgesprochen: "Ich war sehr überrascht, als das Thema während des Interviews angesprochen wurde", sagte der damalige stellvertretende Kommunikationschef der Bank, Detlev Rahmsdorf. Bloomberg-Reporter Michael Storfner bestätigte, dass er das Thema von sich aus angeschnitten habe. Angeblich war allen Beteiligten die Tragweite der Äußerungen von Breuer nicht bewusst.

Dennoch sieht das Gericht offenbar auch Hinweise dafür, dass der damalige Chef der Deutschen Bank nicht ohne Hintergedanken zu Kirch Stellung genommen hat: "Wir vermögen nicht auszuschließen, dass Herr Dr. Breuer eine sich zufällig bietende Gelegenheit aufgegriffen hat, um geschäftliche Interessen der Deutschen Bank gegen Herrn Kirch und seine Unternehmensgruppe zu verfolgen", sagte Kotschy.

Allerdings scheint auch das Oberlandesgericht München Zweifel daran zu haben, dass sich ein Zusammenhang zwischen dem interview und dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe belegen lässt. Der Vorsitzende Richter drängt daher auf einen Vergleich: "Wir würden es für außerordentlich sinnvoll halten, wenn sich die Parteien wieder in Vergleichsverhandlungen begeben würden." Der Prozess wird am 28. Juni fortgesetzt. dh

 
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