Kirch muss Springer auszahlen

Mittwoch, 30. Januar 2002

Pech für Leo Kirch: Der Axel-Springer-Verlag wird seine Put-Option für seinen 11,5-prozentigen Anteil an der Pro Sieben Sat 1 Media definitiv ausüben und damit seine Beteiligung an der Senderfamilie aufgeben. Das haben Vorstand und Aufsichtsrat von Springer beschlossen. Damit muss die ohnehin finanziell stark angeschlagene Kirch-Gruppe 767 Millionen Euro an Springer zahlen.

Kirch dürfte bei geschätzten 6 Milliarden Euro Gesamtschulden und 2,5 Millionen Euro weiteren Verbindlichkeiten größte Schwierigkeiten haben, die Summe aufzubringen. Der Verkauf der Kirch-Anteile am spanischen Sender Telecinco ist noch nicht in trockenen Tüchern, mit der Dresdner Bank verhandelt Kirch angeblich gerade über eine weitere Verlängerung seines 460-Millionen-Euro-Kredits. Auch mit Springer soll darüber gesprochen worden sein, die Verbindlichkeiten zu stunden.

Beim Axel-Springer-Verlag soll man rechtlich und wirtschaftlich keine andere Möglichkeit als die Ausübung der PUT-Option gesehen haben. Erstmals in seiner Geschichte rechnet das Medienhaus für das vergangene Geschäftsjahr mit einem Verlust. Richtig eng dürfte es für Kirch aber werden, wenn auch Murdoch seine im Oktober fällige Option ausübt. Denn wenn Kirchs Premiere World, an dem Murdoch mit 22 Prozent beteiligt ist, weiter schwächelt, kann dieser Kirch zum Rückkauf der Anteile im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro zwingen.
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