Kirch kippt seine Maxdome-Strategie

Montag, 29. Januar 2001

Der Start des unter dem Namen Maxdome angekündigten Entertainment-Portals der Kirch-Gruppe wird auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Offiziell sollte Maxdome Mitte März ins Netz gestellt werden. Brancheninsider gehen jedoch davon aus, dass das Aus von Maxdome bereits besiegelt ist. Bislang hat Kirch New Media nicht einmal eine Beta-Version vorstellen können. Wie bereits in HORIZONT (50/2000) berichtet, werden die Multimedia-Töchter Kirch New Media und Pro Sieben Digital zusammengelegt. Ursprünglich sollte ProSiebenSat1 30 Prozent an Kirch New Media übernehmen. Nun sind bis zu 49.9 Prozent an dem fusionierten Multimedia-Unternehmen wahrscheinlich. Kirch Media und Kirch Pay halten den Rest.

Der Name des Internetunternehmens steht zumindest seitens ProSiebenSat1 zur Diskussion. So ist vorstellbar, dass sich ProSiebeSat1-Chef Urs Rohner durchsetzt und mit einem Namenszusatz zu Kirch New Media ein politischer Weg eingeschlagen wird. Fest steht, dass Rainer Hüther seine Funktion als Vorstandsprecher nun auch im neuen Multimedia-Unternehmen wahrnehmen wird. In den Vorstand rückt zudem Stefan Groß-Selbeck, bislang Chef von Pro Sieben Digital, auf.

Die künftige Internetstrategie von Kirch steht ganz unter dem Zeichen Vernetzung. Offenbar ist geplant, dass geeignete Contents und technische Services zentral zusammengefasst und als Dienstleistung an die jeweiligen Sender (unter anderen Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1) vermittelt werden. Davon verspricht sich Kirch eine dringend notwendige Effizienzsteigerung. Schließlich wären die angekündigten Investitionen in deutlich dreistelliger Millionenhöhe nicht refinanzierbar gewesen - weder durch Content Syndication, E-Commerce, noch durch Onlinewerbung. Zudem betont Kirch seine Mehrmarkenstrategie im Internet - ganz im Gegensatz zu RTL World, mit der der Wettbewerber seine Dachmarke stärkt. Im Zuge der Neustrukturierung der Internetaktivitäten von Kirch wird es zu einer Eingliederung des Sportdienstleisters Sport 1 in das neue Unternehmen kommen. Damit ist der Einfluß des ehemaligen DSF-Geschäftsführers Hüther gewahrt. DSF ist von den Prozessen offenbar nicht direkt betroffen.

Dass bei dem Puzzle bald auch Mitarbeiter aus der Führungsebene ihren Hut nehmen müssen beziehungsweise werden, hat die Branche bereits bei der Fusion von Pro Sieben und Sat 1 dokumentiert. So ist damit zu rechnen, dass Kirch bei seiner Internet-Mannschaft massiv Stellen abbaut. Mit weniger Mannkraft als geplant wird wohl auch die Online-Crew von Premiere World auskommen müssen. So verdichten sich die Gerüchte, dass Leo Kirch seinen Pay-TV-Sender Premiere noch in diesem Jahr an den Medienmogul Rupert Murdoch verkauft. Dieser sucht seit langem einen massiveren Zugang zum deutschen Markt und will den Pay-TV-Sender offenbar in sein Sky-Netzwerk eingliedern. Bei der Vermarktung dürfte Murdoch auf Pay per View umschwenken. In das Szenario dürften auch die Gerüchte passen, dass die D-Box in Zukunft verschenkt werden soll.
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