Kirch gegen Breuer: Deutsche Bank kann am ersten Verhandlungstag punkten

Mittwoch, 26. November 2008
Leo Kirch fordert 3,5 Milliarden Euro
Leo Kirch fordert 3,5 Milliarden Euro

Seit Jahren kämpft der gescheiterte Medienunternehmer Leo Kirch, inzwischen 82, gegen den Mann, der sein Imperium seiner Meinung nach auf dem Gewissen hat: Rolf Breuer, ehemaliger Chef der Deutschen Bank. Gestern war der Auftakt des Schadensersatzprozesses vor dem Landgericht München. Doch der erste Verhandlungstag lief nicht gut für Kirch, der 3,5 Milliarden Euro von seiner ehemaligen Hausbank fordert. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Pecher führte die Anwälte Kirchs (u.a. Peter Gauweiler) erst mal vor. Ein Teil der Schadensersatzforderungen beruht auf dem Kurs der Axel Springer AG. Kirch musste seinen 40-prozentigen Anteil an Springer 2002 nach der Insolvenz zwangsweise verkaufen. Unter Wert, wie er und seine Anwälte argumentieren. Vor Gericht hatten die Vertreter der Klage aber nicht einmal den aktuellen Kurs parat, was die Richterin sichtlich verärgerte.

Der mutmaßliche Schaden aus dem Verkauf des Springer-Pakets in Höhe von 1,1 Milliarden Euro beruht auf einem Kurswert von 133 Euro. Gestern notierte das Papier bei 43,54 Euro. Die Richterin wies diesen Teil der Klage ab. Zudem zog Pecher in Zweifel, dass die Kirch-Firma KGL Pool, in der Kirch seine Schadensersatzansprüche aus 17 seiner früheren Töchtern gebündelt hat, überhaupt in der Lage ist, die Prozesskosten zu tragen. Das Unternehmenskonstrukt verfügt mit 17.000 Euro nur über eine dünne Kapitaldecke. Kirchs Anwälte versicherten, dass der Ex-Medienmogul persönlich für sämtliche Prozesskosten aufkommen will – eine schriftliche Zusicherung konnten sie aber nicht vorlegen. Der erste Prozesstag endete 1:0 für die Deutsche Bank. Prozessbeobachter rechnen mit einer Materialschlacht, die sich bis zu zwei Jahre hinziehen könnte. dh
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