Kirch-Media erwirtschaftet 1998 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Mark

Donnerstag, 26. August 1999

"Entgegen anderslautenden Vermutungen haben wir in der Tat eine Finanzabteilung, und bei uns sitzen die Controller nicht auf den Bäumen, sondern auf den Stühlen", erklärte Dieter Hahn, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, auf der ersten Unternehmenspressekonferenz in der Geschichte der Kirch-Gruppe. Hier stellten die Kirch-Männer erstmals Zahlen vor, "über die Sie so lange spekuliert haben", kokettierte Hahn. Demnach hat die Münchner Kirch-Media im vergangenen Jahr eine Bilanzsumme von 8,1 Milliarden Mark und einen Gesamtumsatz von knapp 3,7 Milliarden Mark erreicht. Das Unternehmen, das den nationalen und internationalen Filmhandel, die Produktion, das Free-TV und die Filmtechnologie der Kirch-Gruppe zusammenfaßt, erwirtschaftete ein Ergebnis vor Steuern von 134 Millionen Mark. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) betrug 558 Millionen Mark. Die zentralen Geschäftsfelder der Kirch-Media waren dabei das Free-TV und der Rechtehandel, die 50 Prozent beziehungsweise 45 Prozent des Gesamtumsatzes eingefahren haben. Vergleichszahlen zum Vorjahr konnten aufgrund der Umstrukturierung des Konzerns im letzten Jahr nicht gegeben werden. Der Verschuldungsgrad des Unternehmens liegt bei 34 Prozent. Die Bankverbindlichkeiten belaufen sich auf 3,692 Milliarden Mark (inklusive Sat 1). "Unsere Bankverbindlichkeiten waren für uns nie Grund zur Sorge", relativierte Hahn. "Wir haben unsere Schulden immer in einer Größenordnung gehalten, die wir bequem bedienen konnten." Er kündigte zudem an, daß Kirch-Media spätestens bis 2001 den Börsengang plane. "Eine Senderfamilie ist für uns kein Tabuthema", sagte Jan Mojto, Geschäftsführer Programm der Kirch-Gruppe, zu den Spekulationen über eine Bündelung der Sender der Kirch-Familie (Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, Premiere, TV Berlin, TV München). Die nachhaltige Steigerung der Gewinne und die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit sei nur durch die "effiziente Nutzung von Synergien möglich". Auch über die stärkere Einbindung von Pro Sieben werde in den kommenden Monaten nachgedacht. Diese müsse aber nicht zwangsläufig gesellschaftsrechtlich - zum Beispiel über einen Aktientausch mit der Pro Sieben Media AG im Zuge eines Börsengangs der Kirch Media KGaA - erfolgen. Auf dem europäischen Kontinent will Kirch-Media über Minderheitsbeteiligungen an nationalen Sendern wachsen. Wie Mojto erklärte, laufen Verhandlungen in Frankreich mit Canal plus, M6 und TF1 sowie mit drei weiteren Sendern in Polen, Griechenland und Portugal.
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