Kinobilanz 2010: Zuschauerzahlen sinken deutlich

Mittwoch, 09. Februar 2011
FFA-Vorstand Peter Dinges
FFA-Vorstand Peter Dinges

Nachdem die deutschen Kinos 2009 mit rund 146 Millionen Besuchern die höchsten Zuschauerzahlen in der Geschichte feiern konnten, folgt nun die Ernüchterung. Die Zahl der verkauften Tickets ist um 13,5 Prozent auf 126,6 Millionen gesunken. Dies geht aus der Kinobilanz 2010 der Filmförderungsanstalt (FFA) hervor. Der Rückgang ist in erster Linie auf die kreative Pause der deutschen Filmbranche zurückzuführen. Denn die Zahl der deutschen Premieren ist mit 189 Filmstarts (2009: 217) erstmals seit dem Jahr 2003 wieder gesunken. Der Marktanteil der Produktionen made in Germany hat sich nahezu halbiert und liegt mit nur noch 16,8 Prozent etwa auf dem Niveau von 2005. "Ohne den deutschen Film geht es nicht! Er ist für unsere Kinos längst viel zu wichtig, als dass, wie in diesem Jahr, eine Halbierung seines Marktanteils von amerikanischen oder europäischen Produktionen aufgefangen werden könnte", sagt FFA-Vorstand Peter Dinges. Dennoch gibt er sich optimistisch. Er geht davon aus, dass der deutsche Film „nach der Phase des Atemholens in diesem Jahr wieder durchstarten wird". Hoffnung setzt er unter anderem in den Film "Kokowääh" von Til Schweiger.

Auch sonst sieht der FFA-Chef keinen Grund zur Schwarzmalerei. Seinen Optimismus gründet er vor allem auf einen „erfreulich unterproportionalen Umsatzrückgang" von 5,7 Prozent. Mit einem Gesamtumsatz von 920,4 Millionen Euro erzielt die Branche immerhin den viertbesten Wert aller Zeiten. Die Gründe: Zum einen sind laut Nielsen die Bruttowerbeumsätze 2010 um 12,2 Prozent gestiegen - wenn auch auf einem äußerst niedrigen Niveau von 81,2 Millionen Euro. Zum anderen erhöhen sich die Eintrittspreise deutlich. Haben die Kinogänger 2009 im Durchschnitt noch 6,70 Euro für eine Karte gezahlt, sind es nun 7,30 Euro. Darin spiegelt sich der große Erfolg der 3D-Filme wider. So haben im vergangenen Jahr 18,4 Millionen Kinobesucher Eintritt für einen 3D-Film gezahlt - dreimal so viele wie 2009. Daher will die FFA ihre Förderung des digitalen Kinos verstärken.

Unterstützung benötigen die Betreiber in der Tat dringend. Ist die Zahl der Leinwände im vergangenen Jahr doch zum fünften Mal in Folge gesunken. Die FFA zählt inzwischen nur noch knapp 4700 Kinosäle. Als „viel dramatischer, weil unumkehrbar", bezeichnet Dinges den anhaltenden Verlust von Kinostandorten. 2010 gab es noch 954 Städte und Gemeinden, in denen mindestens ein Filmtheater zu finden war. Das sind noch einmal 22 weniger als im Jahr davor, als deren Zahl erstmals unter die 1000er-Marke gefallen war. Betroffen sind meist Orte mit weniger als 20/000 Einwohnern, die mit dem Kino oft die letzte kulturelle Bastion verlieren. Dinges fordert daher eine enge Zusammenarbeit der Kinoverbände und Länderförderer.

Der deutsche Home-Entertainmentmarkt kann ungeachtet der Einbrüche in vielen wichtigen ausländischen Märkten auch für das Jahr 2010 positive Ergebnisse vermelden. Nach den vorliegenden Zahlen hat der DVD- und Blu Ray-Kaufmarkt in Deutschland erneut kräftig im Absatz und Umsatz zulegen können, wie Dinges vermeldete. Vor allem die anhaltend positive Umsatzentwicklung sei bemerkenswert, da auch im letzten Jahr Dumpingangebote selbst für Neuerscheinungen bei den Bildtonträgern den durchschnittlichen Kaufpreis weiter gedrückt hätten.

Die ausführlichen Ergebnisse und Statistiken des Kinojahres 2010 sind ab 13. Februar unter FFA.de abrufbar. bn
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