Kauf der Champions-League-Rechte durch das ZDF erregt die Gemüter

Mittwoch, 06. April 2011
Sat-1-Chef Andreas Bartl will die Vergabe der Rechte juristisch prüfen
Sat-1-Chef Andreas Bartl will die Vergabe der Rechte juristisch prüfen

Die Reflexe sitzen: Kaum hat sich das ZDF die Rechte an der Champions League geschnappt, geht ein Aufschrei der Empörung durch die Medienlandschaft. Die privaten Konkurrenten sprechen von Gebührenverschwendung und wollen die Vergabe rechtlich überprüfen. Für bestimmte Interessensgruppen ist der Millionendeal zudem ein willkommener Anlass, wieder einmal über den Programmauftrag der Öffentlichen-Rechtlichen zu diskutieren. 54 Millionen Euro lässt sich das ZDF die Rechte für 18 Spiele pro Jahr kosten - eine erkleckliche Summe angesichts knapper Kassen bei den Öffentlich-Rechtlichen - und eine Steilvorlage für die Pivatsender, die sie sich nicht entgehen lassen: "Es ist faszinierend, wie das ZDF in Zeiten, in denen die Gesellschaft eine kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Gebühren fordert, das Geld mit vollen Händen rauswirft, um etwas anzubieten, was der Zuschauer längst hatte - und zwar ohne einen Cent unserer Gebühren", echauffiert sich Tobias Schmid, Leiter Medienpolitik von RTL und damit oberster Lobbyist der Kölner Sendergruppe.

Bereits gestern hatte sich Pro Sieben Sat 1 zu Wort gemeldet, die bei der Vergabe der Rechte den Kürzeren gezogen hatten: "Wir sind nach wie vor überzeugt, dass die Ausstrahlung der Champions League im ZDF problematisch ist, und werden alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen", kündigt Andreas Bartl, TV-Vorstand von Pro Sieben Sat 1, an. Der Knackpunkt, an dem Sat 1 offenbar juristisch ansetzen will, ist das Verbot von Sponsoring bei den Öffentlich-Rechtlichen ab 20 Uhr, das ab 2013 gilt. Das ZDF will daher bereits ab 19.20 Uhr mit der Vorberichterstattung über die Spiele beginnen, um bis 20 Uhr wenigstens einige Sponsoringhinweise und Werbeblöcke unterzubringen. Meldungen, wonach das ZDF den Sponsoren der Champions League im Gegenzug für nicht erlaubte Sponsoring-Hinweise eine finanzielle Kompensation zugesagt habe, weist das ZDF zurück.

Kritisiert den Kauf der Rechte: WAZ-Chef Christian Nienhaus
Kritisiert den Kauf der Rechte: WAZ-Chef Christian Nienhaus
Der einflussreiche Zeitungsverlegerverband Nordrhein-Westfalen (ZVNRW), zu dem unter anderem die mächtige WAZ-Gruppe gehört, nutzt die Vergabe der Rechte an das ZDF, um erneut eine Neujustierung des Programmauftrages von ARD und ZDF zu fordern: "Die Übertragung der Champions League durch das ZDF ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg in die Kommerzialisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", sagt der Vorsitzende des Verbands und WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus: "Neben Boulevardmagazinen und einer Flut von Talkshows wird nun auch beim Erwerb kostspieliger Sportrechte mit Gebühren ein Weg eingeschlagen, der mit dem Grundversorgungsauftrag immer weniger in Einklang zu bringen ist." Man unterstütze daher politische Bestrebungen, den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neu zu justieren.

Dass sich das ZDF bei der Chmpions League auf ihren Grundversorgungsauftrag berufen kann, wird indes auch von unabhängigen Experten bezweifelt: "Das ZDF beruft sich in solchen Fällen gern auf die Grundversorgung, aber die muss es bei der Übertragung der Champions League gar nicht gewährleisten. Die Grundversorgung ist schon dann erfüllt, wenn die Champions League irgendwo im Free-TV - wie zum Beispiel bisher bei Sat.1 - gezeigt wird", sagt der Direktor des Deutschen Digital Instituts, Jo Groebel gegenüber Zeit Online. dh
Meist gelesen
stats