Katharina Borchert: "Beinahe Selbstmord, nicht bei Facebook zu sein"

Donnerstag, 12. Juli 2012
SpOn-Geschäftsführerin Katharina Borchert
SpOn-Geschäftsführerin Katharina Borchert


"Das Hauptpublikum für harte Nachrichten sind immer noch Männer", sagt Katharina Borchert, Geschäftsführerin von Spiegel Online. "Aber ich weigere mich zu glauben, dass Frauen sich nicht für Nachrichten interessieren." Sie fragt sich, ob die Onlinemedien vielleicht den falschen Weg wählen, Nachrichten zu überbringen. "Wir wollen die Nachrichten nicht schönreden und ich glaube auch nicht, dass es das ist, was Frauen wollen", so Borchert auf der Konferenz DLD Woman. Donata Hopfen, Geschäftsführerin von Bild Digital, sieht die Tatsache, dass Bild.de nur 40 Prozent weibliche Nutzer hat, weniger negativ: "Damit erreichen wir online immer noch mehr Frauen als im Print." Schließlich sei "Bild" eine sehr männlich ausgerichtete Zeitung. "Unsere Zielgruppe sind 100 Prozent aller Deutschen - und eben nicht nur Männer", so Hopfen. Deshalb seien feminin ausgerichtete Angebote wichtig. Mit Stylebook habe man nun einen Weg gefunden, auch Frauen anzusprechen. Für SpOn-Chefin Borchert ist das jedoch keine Lösung: "Müssen wir bei Spiegel Online wirklich eine Styling-Bereich aufbauen, um Frauen zu erreichen?" Das könne nicht der richtige Weg sein.

Auch junge Leser sind eine wichtige Zielgruppe - und um diese zu erreichen, müssen Marken auch in sozialen Netzwerken wie Facebook präsent sein, glaubt Borchert: "Social Media spielt so eine wichtige Rolle im Leben der Menschen, dass es beinahe Selbstmord wäre, nicht dort zu sein. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir relevant bleiben. Und junge Menschen findet man nun mal eher bei Facebook als auf Nachrichtenseiten." Daher sei es für Medien wichtig, die richtige Balance finden. "Wir müssen sichergehen, dass wir nicht zuviel kostenlos herausgeben", glaubt auch Hopfen. "Es ist ok, überall ein wenig präsent zu sein, aber wir dürfen nicht auf soziale Netzwerke oder Suchmaschinen angewiesen sein." sw
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