Kartellamt stoppt vorerst geplante Ullstein-Übernahme durch Random House

Freitag, 23. Mai 2003

Das Bundeskartellamt hat schwere Bedenken gegen den geplanten Kauf der Buchverlagsgruppe Ullstein Heyne List durch die Bertelsmann-Tochter Random House. Der Erwerb würde zu einer marktbeherrschenden Stellung von Bertelsmann auf dem deutschsprachigen Taschenbuchmarkt führen, erklärte Kartellamtspräsident Ulf Böge. Die beteiligten Unternehmen hätten daher eine Abmahnung erhalten. Sie haben nun bis zum 5. Juni Zeit für eine Stellungnahme, ehe die Kartellwächter endgültig entscheiden.

Der Axel Springer Verlag hatte im Februar angekündigt, Ullstein Heyne List an Random House verkaufen zu wollen. Zu der Gruppe gehören unter anderem die Verlage Econ, Propyläen und Südwest. Zusammen haben Ullstein Heyne List und Random House nach Angaben von Springer einen Marktanteil von elf Prozent am gesamten deutschen Buchmarkt.

Das Kartellamt argumentiert aber, dass der Taschenbuchmarkt als gesonderter Teilmarkt betrachtet werden müsse. Und auf diesem Markt würde Bertelsmann durch die Übernahme die Schwelle für eine vermutete Marktbeherrschung von einem Drittel Marktanteil "deutlich überschreiten" und einen Anteil von 40 Prozent erzielen. Zudem würde es den beiden Verlagsgruppen durch den Zusammenschluss ermöglicht, den Vorsprung weiter auszubauen und zu verhindern, dass Wettbewerber aufholen.

Die Verlagsgruppe Random House hat unterdessen angekündigt, am Zusammenschluss mit Ullstein Heyne List festhalten zu wollen. Man sei zuversichtlich, im weiteren Verlauf des Verfahrens die Zustimmung des Kartellamtes für die rechtliche Argumentation erwirken zu können, so ein Verlagssprecher. nr
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