Kallen: "Google ist ein Kreativitätskiller" / Burda steigert Umsatz zweistellig

Freitag, 25. Januar 2013
Paul-Bernhard Kallen: Politik ist schuld an der Google-Dominanz
Paul-Bernhard Kallen: Politik ist schuld an der Google-Dominanz

Trotz Printkrise blickt Hubert Burda Media dank des Digitalgeschäftes auf ein erfolgreiches Jahr 2012 zurück. "Der Umsatz ist um 12,6 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro gestiegen", sagt Paul-Bernhard Kallen, Vorstandsvorsitzender von Burda, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das Münchner Medienunternehmen hat das digitale Geschäft in den vergangenen Jahren in großem Umfang erweitert. Zu Burdas Portfolio gehören Onlineportale wie Holidaycheck oder Zooplus, die mit dem Kerngeschäft Print nichts mehr zu tun haben, dem Konzern jedoch hohes Umsatzwachstum sichern. Zum Ergebnis macht Kallen in dem Interview allerdings keine Angaben.

Das deutsche Zeitschriftengeschäft, das Kallens Vorstandskollege Philipp Welte verantwortet, ist aus Sicht des seit 2010 amtierenden Vorstandsvorsitzenden auf gutem Wege. Welte habe zuerst eine Einheit aus dem Verlag Inland schmieden müssen und dann die Effizienz gesteigert. "Ich glaube, dass der Verlag heute so gut und kompakt aufgestellt ist, dass er wachsen kann. Ich bin sehr davon überzeugt, dass das gelingt", so Kallen.

Mit harten Worten greift Kallen dagegen Google an. Der Suchmaschinenkonzern habe verhindert, dass sich im Internet Geld mit Inhalten verdienen lasse. Vor fünfzehn Jahren habe man damit gerechnet, dass die besten Chefredakteure Richtung Online abwandern und auch gut daran verdienen würden. "Google hat - durch seine Tüchtigkeit wohlgemerkt - dafür gesorgt, dass das nicht so gekommen ist", glaubt Kallen. Google habe den Großteil der Werbeerlöse im Netz an sich gezogen, für kreative Inhaltsangebote gebe es daher wenig Geld. "Google ist zu einem Kreativitätskiller geworden", so Kallen.

Einen Großteil der Schuld dafür, dass Google Monopolist ist, sieht Kallen bei der Politik. "Ordnungspolitisch gesehen, bin ich über unseren augenblicklichen Zustand einigermaßen entsetzt", sagt er. In Europa seien Internetunternehmen aus Amerika erfolgreicher, weil sie anderen Regularien unterliegen und sich zudem aussuchen könnten, in welchem europäischen Land sie sich ansiedeln. Länder wie Irland mit niedrigeren Steuersätzen seien attraktiver als zum Beispiel Deutschland.

Dafür, dass Irland auf der einen Seite Unternehmen mit günstigen Steuersätzen lockt und andererseits Schutz unter dem europäischen Rettungsschirm sucht, hat Kallen in diesem Zusammenhang kein Verständnis. "Es müssen im selben Markt für alle Marktteilnehmer dieselben Rahmenbedingungen gelten. Das haben wir in Europa in keiner Weise. Und das ist kein Fehler amerikanischer Unternehmen, sondern ein Versagen der Politik in Europa." pap
Meist gelesen
stats