Kai Diekmann: "Klar kann Bild mal einen Euro kosten"

Freitag, 10. September 2010
Kai Diekmann bekam 2009 den HORIZONT-Award als Medien-Mann des Jahres
Kai Diekmann bekam 2009 den HORIZONT-Award als Medien-Mann des Jahres

Am 13. September bricht Kai Diemann einen Rekord. Dann wird er laut Axel Springer der "Bild"-Chefredakteur mit der längsten Amtszeit in der Geschichte des Boulveradblattes sein. Der 46-Jährige übernahm den Posten im Januar 2001 und überholt damit selbst Vorgänger wie Peter Boenisch sowie Günter Prinz. Zu diesem Anlass hat der Journalist der "Süddeutschen Zeitung" ein launiges Interview gegeben. Die Bilanz des "Kontrollfreaks" - wie er sich selbst bezeichnet: "Es hat in meinen fast zehn Jahren bei "Bild" keinen Tag gegeben, an dem ich nicht wusste, was Schlagzeile ist. Sie können ja mal bei meiner Frau nachfragen, was in den Kreissälen los war, als unsere Kinder geboren wurden." Die Frage, ob er sich nach seiner Zeit bei dem Boulevardblatt vorstellen kann, einen Vorstandsposten zu übernehmen, verneint er vehement. So viel Freiraum wie als Chefredakteur "der größten Zeitung Europas" habe man in keinem Spitzenamt. "Mein Spaßfaktor ist, ehrlicherweise, höher als der von Mathias Döpfner (Anm. d. Red. Vorstandsvorsitzender von Axel Springer)", ergänzt der Vollblutjournalist.

Diekmann verteidigt in dem Interview auch die sinkende Auflage der "Bild", die seit seinem Amtsantritt 2001 um rund 1,5 Millionen Exemplare geschrumpft ist: "Entscheidend ist nicht Auflage, sondern rentable Auflage. Die, mit der Sie Geld verdienen. Da ist "Bild" erfolgreich wie nie zuvor." Um das Ergebnis weiter zu verbessern, kann sich der Chefredakteur durchaus vorstellen, den Copypreis von derzeit 60 Cent irgendwann sogar auf einen Euro zu erhöhen. Selbst dann ist der Titel seiner Meinung nach noch sehr preiswert. "Ein Cappuccino kostet drei bis vier Euro. Für exklusive Informationen zahlen Zeitungsleser deutlich weniger. Das ist ein krasses Missverhältnis."

Dabei richtet er auch einen Appell an die Wettbewerber. Beispielsweise der derzeitige Copypreis des Nachrichtenmagazins "Spiegel" von 3,80 Euro sei "lächerlich" und auch die "SZ" sei viel zu billig. Man müsse sich endlich trauen für guten Journalismus auch gutes Geld zu verlangen. bn
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