Kachelmann freigesprochen / Anwalt kritisiert Umgang mit den Medien

Dienstag, 31. Mai 2011
Jörg Kachelmann kommt frei
Jörg Kachelmann kommt frei

Das Landgericht Mannheim hat Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Nach Auffassung der Richter reichen die Indizien gegen den ehemaligen Wettermoderator nicht für eine Verurteilung aus. Damit folgten die Richter dem Antrag der Verteidiger von Jörg Kachelmann. Derweil werden erste Stimmen laut, die Konsequenzen aus dem Umgang der Medien mit dem Fall fordern. Mit dem Urteil geht ein neunmonatiger Prozess voller Merkwürdigkeiten zu Ende. Kachelmann wird für seine 132-tägige Haftzeit entschädigt, die Kosten des Mammutprozesses trägt der Steuerzahler.

Der Prozess gegen den populären Moderator und Wetterfrosch war von Anfang an ein beispielloses Medienereignis. Nahezu alle großen Magazine breiteten genüsslich Details aus dem ausschweifenden Sexleben des Schweizers aus, zerrten Geliebte und Gespielinnen ans Licht und hoben den Fall auf die Titelseiten. Die Publizistin und Feministin Alice Schwarzer begleitete den Prozess ausgerechnet für die "Bild"-Zeitung. Für die heutige Urteilsverkündung hatten sich rund 50 Pressevertreter akkredidiert.

Der Berliner Medienanwalt Christian Schertz fordert nach dem Fall Kachelmann, den Umgang der Justiz mit den Medien auf den Prüfstand zu stellen: "Wir werden an diesem Fall den deutschen Rechtsstaat prüfen müssen. Wir werden prüfen müssen, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, wo der bloße Vorwurf eines Fehlverhaltens zu einer derartigen Vernichtung bereits vor dem Urteil führt. Davor warne ich nachhaltig", sagte der Medienanwalt in der SWR-Talksendung 2+Leif. Nach Meinung des Anwalts, der die Interessen zahllreicher Prominenter gegenüber den Medien vertritt, haben sowohl Anklage als auch Verteidigung im Umgang mit dem Fall versagt. dh
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