"Kabuki-like": Facebook vertröstet Freund und Feind

Freitag, 27. Juli 2012
-
-

Auch die erste Facebook-Quartalsbilanz nach dem Börsengang zeigt: Mobile ist nach wie vor die Achillesferse des vormals so hochgejubelten Social Networks. Dass Facebook droht, den Anschluß im Mobilebereich zu verlieren, war an dieser Stelle schon vor geraumer Zeit zu lesen. Der Auftritt von CEO Mark Zuckerberg und COO Sheryl Sandberg anlässlich der Präsentation der ersten Quartalsbilanz nach dem suboptimalen Börsengang konnten die  Zweifel an der „richtigen" Mobile-Strategie nicht zerstreuen. Die Message war klar: „Facebook says ist mobile problem isn't a problem" formuliert AdAge süffisant.

Fakt ist: Die Zahl der Mitglieder steigt um 29 Prozent auf weltweit 955 Millionen. Und der Trend zu Smartphones macht sich auch bei Facebook bemerkbar: 543 Millionen Nutzer greifen inzwischen mobile auf das Social Network zu - 67 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr. Ein beeindruckendes Wachstums, das sich aber in entsprechendem Werbeumsatz nicht niederschlägt. Zwar ist der Werbeumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 28 Prozent auf 992 Millonen Dollar gestiegen. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Werbung auf dem stationären Internet, mit dem Verkauf von Handyanzeigen hat Facebook erst im Juni begonnen.  Entsprechend hartnäckig wollen Analysten zum Verdruß des Facebook-Managements derzeit wissen, wie und wann das Unternehmen das riesige Mobile-Potenzial monetarisieren will.

Die Antworten sind Zuckerberg/Sandberg zur Enttäuschung der Analysten wie der Anleger größtenteils schuldig geblieben. Mit gesponserten Anzeigen, die unter die News der Facebook-Freunde „gepostet" werden, will man künftig für Mobile-Umsatz sorgen, Genaueres war der Facebook-Führung nicht zu entlocken.

Der Auftritt von Zuckerberg & Co sei „kabuki-like" gewesen, ätzt C-Net. Kabuki ist traditionelles japanischer Theater, das aus Gesang, Pantomime und Tanz besteht, verrät Wikipedia. Tenor der Facebook-Kabukis: Man solle dem Unternehmen vertrauen, man würde Fortschritte machen. Und COO Sandberg beschwörte die Vision, mit der das Network groß geworden ist: „Wir sind nicht TV. Wir sind nicht Search. Wir sind ein neues Medium." Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren: Facebook könnte sich, nicht nur an der Börse, als eine der großen Enttäuschungen des Jahres 2012 erweisen. Kabuki wurde 2005 in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Bei Facebook geht es im Gegensatz dazu um höchst materielle Werte. Die lassen derzeit zu wünschen übrig - und auch die Aussichten erscheinen in eher trüberem Licht. vs
Meist gelesen
stats