Kabelriese: Unitymedia und Kabel BW vollziehen Zusammenschluss

Dienstag, 03. Juli 2012
Lutz Schüler ist CEO des neuen Kabelriesen Unitymedia Kabel BW
Lutz Schüler ist CEO des neuen Kabelriesen Unitymedia Kabel BW


Seit dem 1. Juli gibt es einen neuen Riesen im deutschen Kabelmarkt: Unitymedia und Kabel BW haben ihren Zusammenschluss offiziell vollzogen. Damit entsteht nach Kabel Deutschland der zweitgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber. Der zum weltgrößten Kabelkonzern Liberty Global gehörende Anbieter will nun mit gemeinsamen Kräften im Revier der klassischen Telekommunikationsanbieter wildern. Unitymedia Kabel BW, so der sperrige Name des neuen Unternehmens, erreicht in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg insgesamt 12,5 Millionen Haushalte. In den vergangenen Jahren haben beide Unternehmen massiv in die Aufrüstung ihrer Netze investiert und wollen mit Komplettangeboten aus TV-Anschluss, Telefon und Internet nun vor allem auf Kosten der Deutschen Telekom und Vodafone wachsen.

"Mit dem Zusammenschluss zu Unitymedia KabelBW entsteht nun Deutschlands wachstumsstärkster Telekommunikationsanbieter. Über unser überlegenes Breitbandkabel treiben wir den Wettbewerb mit den klassischen Telekommunikationsunternehmen jetzt noch energischer voran und legen den Grundstein für weiteres Wachstum", kündigt Lutz Schüler, CEO von Unitymedia KabelBW selbstbewusst an.

Dabei vertraut Schüler, bislang CEO von Unitymedia, vor allem auf sein bisheriges Managementteam: Aus der Führungsriege von Kabel BW zieht allein Uwe Bärmann als Chief Technology Officer ins Management des neuen Unternehmens ein. Die bisherigen Geschäftsführer von KabelBW, CEO Harald Rösch, CFO Holger Püchert und Chief Marketing Officer (CMO) Christoph Nieder scheiden aus dem Unternehmen aus.

Weiter an Bord sind Chief Commercial Officer (CCO) Herbert Leifker , bisher in gleicher Position bei Unitymedia, und die beiden bisherigen Unitymedia Co- Chief Financial Officers Jens Müller und Jon Garrison.

Beobachter gehen davon aus, dass Liberty langfristig auch an einer Übernahme des Branchenprimus Kabel Deutschland interessiert ist. Der lange Zeit zementierte deutsche Kabelmarkt ist in den vergangenen Jahren in Bewegung geraten. Durch die Aufrüstung ihrer Netze sind die Kabelnetzbetreiber zu ernsthaften Konkurrenten für die klassischen Telekommunikationsanbieter geworden. In den ersten drei Monaten des Jahres haben Unitymedia und Kabel BW über 200.000 neue Kunden gewonnen, eine Plus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wohl auch aus diesem Grund hat das Bundeskartellamt nach anfänglichen Bedenken den Weg für einen Zusammenschluss schließlich frei gemacht - allerdings musste Unitymedia Kabel BW dafür weitgehende Zugeständnisse machen und unter anderem Exklusivitätsrechte aufgeben. Damit kann nun beispeilsweise auch die Telekom neue Glasfaserkabel in Haushalte verlegen, die bereits ans Kabelnetz angeschlossen sind. dh
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