Junior-Web will größtes Internetangebot für Kinder starten

Montag, 26. Februar 2001

Mitte dieses Jahres soll's mit einem innovativen Konzept losgehen: Mit schätzungsweise rund 20.000 speziell für Kinder zwischen 4 und 14 Jahren gestalteten Seiten will Junior Web vorpreschen. Das Unternehmen, das zur EM.TV Interactive Holding gehört, die wiederum jeweils zur Hälfte zwischen EM.TV und der Produktions- und Fondsgesellschafts Victory Medienfonds aufgeteilt ist, plant den Aufbau einer eigenständigen Welt für Kinder.

Um die Zielgruppenansprache zu fokussieren, wird das Angebot in die Altersgruppen 4 bis 6, 7 bis 9 und 10 bis 14 unterteilt. Eine Redaktion stellt eigene Inhalte zur Verfügung, hinzu kommen neben Chats und diversen 3D-Welten auch die Figuren und Storys aus dem Junior-Rechteportfolio. Dazu gehören unter anderem Biene Maya, Tabaluga, Flipper und dem Vernehmen nach auch die Sesamstraße - auch wenn die von EM.TV.-Chef Thomas Haffa teuer eingekaufte amerikanische Jim Henson Company wieder verkauft wird. Dies dürfte auf der To-do-Liste des neuen stellvertretenden EM.TV-Vorstandsvorsitzenden Rainer Hüther ziemlich weit oben stehen. Es ist leicht vorstellbar, dass die Kinderwelten von Junior Web auch auf der mittlerweile auf unbestimmte Zeit verschobenen Entertainment-Plattform Maxdome Platz bekommen hätte. Da EM.TV-Chef Haffa jedoch aufgrund seiner Verlustlage keine hohen Anlaufkosten in Kauf nehmen kann, muss das Internet für Kinder möglichst schnell den Break-even erreichen. Eine Kampagne in zweistelliger Millionenhöhe, bei der offenbar die Hamburger EM.TV-Leadagentur Kolle Rebbe eine Rolle spielt, ist verschoben worden, bis die Wirren und die Geschäftssituation um EM.TV geklärt sind.

Künftig will Junior Web, bei dem in München über 50 Mitarbeiter tätig sind, eine Positionierung als Content-Provider erreichen. Um auf die Kosten zu kommen, wird es keinen Webzugang über eine URL geben. Vielmehr ist der Zugang via Software auf einer CD-Rom angedacht. Es liegt nahe, dass diese Software mit einer Art Abonnement-Gebühr belegt werden könnte. Eine klärende Entscheidung ist offenbar noch nicht gefallen. Im Gespräch ist auch einen Kooperation mit einem Internet-Service-Provider, der das Paket finanziell absichern soll. Ebenfalls im Business-Plan stehen die rasche Internationalisierung des Angebots und die Vernetzung mit klassischen Medien. Denkbar ist unter anderem die Verknüpfung mit Junior TV auf Sat 1. Da die Merchandising-Linie unter der Marke Junior nicht gerade aus den Regalen gerissen wird, rechnet sich EM.TV durch einen Webshop wohl zusätzliche Impulse im Lizenzmarkt aus.
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