Jürgen Emig belastet Hessischen Rundfunk

Mittwoch, 20. August 2008
Der HR gerät unter Druck
Der HR gerät unter Druck

Der Hessische Rundfunk (HR) gerät beim Prozess gegen seinen früheren Sportchef Jürgen Emig zunehmend unter Druck. Emig, der unter anderem wegen Bestechlichkeit, Untreue und Betrug derzeit vor Gericht steht, wirft seinem ehemaligen Arbeitgeber vor, von den Geldzahlungen gewusst zu haben. Er wolle geradestehen "für eigene Fehler, aber nicht für die, die andere gemacht haben". Dabei belastet Emig auch den amtierenden HR-Intendanten Helmut Reitze. Dieser habe von den Drittmitteln, die Emig als Produktionskostenzuschüsse eingeworben und teilweise veruntreut hatte, gewusst. Bei den kommenden Verhandlungstagen sollen nun Verantwortliche des HR, darunter auch der ehemalige Intendant Klaus Berg befragt werden. Reitze ist bislang nicht als Zeuge geladen.

Polizei und Staatsanwaltschaft werfen dem HR unterdessen vor, die Ermittlungen nicht ausreichend unterstützt zu haben. "Die Zusammenarbeit war schwierig", zitiert die "Bild"-Zeitung einen Kriminalbeamten, der mit dem Fall betraut war. Der HR habe für die Ermittlungen weder Mitarbeiter zur Verfügung gestellt, noch habe man der Polizei einen "vernünftigen Revisionsbericht" zur Verfügung gestellt. Ähnlich äußerte sich Staatsanwalt Michael Loer. Nachdem sich der Sender mit der Aufarbeitung der Hintergünde schwer getan habe, habe man im Juni 2005 einen Untersuchungsbeschluss erwirkt. Damals waren auch Räume des HR durchsucht worden.

In einem Schreiben des HR-Justiziars an die Rechtsabteilung, das der Vorsitzende Richter Christopher Erhard gestern verlas, heißt es sinngemäß: Wenn Emig demnächst aus dem HR ausscheide, sehe man es nicht als seine Aufgabe an, weitere Nachforschungen anzustellen; das sei schließlich Aufgabe der Staatsanwaltschaft. dh

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