Journalisten sehen kaum Zukunft für redaktionelle Apps

Mittwoch, 08. Dezember 2010
Die Mehrheit der deutschen Journalisten sehen keine Zukunft für Apps als Erlösmodell
Die Mehrheit der deutschen Journalisten sehen keine Zukunft für Apps als Erlösmodell

Kostenpflichtige Apps für Smartphones und Tablet-PCs können die Umsatzverluste im Printgeschäft nicht ausgleichen - glauben zumindest die meisten der deutschen Journalisten. Auch dem Erlösmodell des Paid Content stehen sie nach wie vor skeptisch gegenüber. Das ergab eine Umfrage der dpa-Tochter News Aktuell und der PR-Agentur Faktenkontor. Knapp 60 Prozent der 700 befragten Journalisten glaubt nach wie vor nicht daran, dass kostenpflichtige Apps ein alternatives Erlösmodell sein können. Gerade mal ein Drittel, räumt den Applikationen zumindest eine potentielle Chance ein. Diese optimistischen Stimmen kommen vor allem aus den Reihen der Nachrichtenagenturen. Zeitschriftenredaktionen zeigen sich nach wie vor sehr pessimistisch.

Auch bei der Frage, ob sich Internetangebote in Zukunft selbst finanzieren können, sind sich die Journalisten einig. 57 Prozent halten dies für sehr unwahrscheinlich. Nur Nachrichtenagenturen und Journalisten aus dem Online- und Multimediabereich konnten die Frage mit "auf jeden Fall" beantworten. Vergleicht man die Ergebnisse mit den Werten vom Vorjahr, so wird deutlich, dass sich die Skepsis gegenüber Internetangeboten als Erlösbringer nicht abbauen konnte.

Wesentlich unterschiedlicher ist der Tenor bei dem Thema Paid Content: während 42 Prozent an die Zukunft des Modells glauben, halten genau so viele Bezahlinhalte für ein reines Nischenprodukt. Jeder zehnte wollte sich dazu kein Urteil erlauben. Auch die aktuelle Lage der Medienbranche bewerten die Journalisten ganz unterschiedlich. Während 65 Prozent der Journalisten von Nachrichtenagenturen und 49 Prozent von Tageszeitungen die Lage als "nicht akzeptabel" beurteilen, zeigen sich etwa 45 Prozent der Befragten damit zufrieden. Dies gilt vor allem für Rundfunkredakteure.

Einheitlich stellten die Journalisten fest, dass durch den Abbau fester Redakteurstellen die Qualität des Journalismus erheblich leide. Er sei viel durchlässiger für PR geworden. Fast jeder zweite Journalist gab an, schon Geschenke von PR-Beratern oder Unternehmenssprechern erhalten zu haben. hor
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