Joost geht mit deutscher Internet-TV-Plattform auf Sendung

Donnerstag, 19. März 2009
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Das Internet-Video-Portal Joost startet nun auf dem deutschen Markt durch. Mit 13 Content-Partnern will der Videodienst den Web-TV-Nutzern deutsprachige Spielfilme, Musik und Serien anbieten. Zusätzlichen Schub verspricht sich CEO Mike Volpi von einer Kooperation mit dem Social Network Netlog. Auf „einige Millionen Zuschauer“ in diesem Jahr hofft Volpi im Interview mit Horizont.net. Konkreter äußert er sich über Werbepartner der Web-Videothek. Zum Start mit dabei sind unter anderem Nike und HP. Joost, das in den USA unter anderem mit Warner Brothers und Viacom zusammenarbeitet, zeigt hierzulande zunächst einmal einstige Kassenküller wie „Rush Hour“, „American History X“, „Blade“ und „Mr. Nice Guy. Inhalte kommen unter anderem von Diva, einem Publishing Hub für Independent Filme und Klassiker. Auch MTV liefert ein Paket deutschsprachiger Staffeln. Hinzukommen gegenwärtig unter anderem Dokumentationen von „Süddeutsche Zeitung TV“ oder auch TV-Shows von „Welt der Wunder“. Das Programm soll sukzessive ausgebaut werden. Mit einigen Top-Anbietern laufen derzeit noch die Vertragsverhandlungen.

Mit seinem Anspruch auf das "Fernsehen der Zukunft" galt Joost (sprich: juiced) anfänglich als möglicher Konkurrent für Youtube. So können Nutzer bei Joost während des laufenden Programms vernetzt mit einander interagieren. Anders als Youtube zeigt Joost zudem komplette Serien und Spielfilme, die von kurzen Werbespots unterbrochen werden können.

Interaktivität braucht inhalte

Eine Zeit lang war Joost so etwas wie das Lieblingskind der Web-Gemeinde. Dann bremsten technische Umstellungen die Expansion. Nun soll es auf dem deutschen Markt zusammen mit Netlog vorangehen. Das kann gelingen, wenn es der Web-Videothek rasch gelingt, sehenswerte Inhalte kostenlos bereitzustellen.  Denn inzwischen greifen auch andere Videoportale vermehrt auf bestehende Formate aus dem TV zurück.
Überzeugen dürfte die Joost Inhalte-Anbieter mit einer Beteiligung an den Werbeerlösen. Denn in diesen Zeiten sind neue Umsatzquellen gefragt. Mit Top-Inhalten kann dann auch die Interaktivität und Vernetzung der Zuschauer ihren Vorteil ausspielen. Gerade für die Joost-Zielgruppe der 14-24-Jährigen gehört der direkte Dialog vor der digitalen Glotze mittlerweile dazu. Mit guten Grund erweitert schließlich auch US-Wettbewerber Hulu seine Plattform um webzwonullige Features.    



Nach vielversprechendem Start aber geriet das Projekt der Kazaa- und Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis zeitweilig ins Stocken und wurde in den USA vom Wachstum der Wettbewerber wie der Videoplattform Hulu von NBC und der News Corp. von Rupert Murdoch überschattet.

Neuen Aufwind und vor allem Zuschauer für das Gratiskino will der Joost-CEO auf dem deutschen Markt mit Hilfe des Social Network Netlog anlocken. Die Community hat 40 Million Nutzer weltweit. In Deutschland hat Netlog mehr als zwei Millionen Nutzer. Der Video-Streamer ist auf der Plattform mit einem Verweis auf der Startseite eingebunden.

Volpi hofft, dass die Nutzer des Netzwerkes selbst Multiplikatoren werden. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Im Vergleich zum normalen Zuschauer, sind Nutzer aus Social Networks enger an eine Video-Plattform gebunden und engagierter.

Das zeigen Erfahrungen aus den USA. Dort arbeitet Joost unter anderem via Facebook Connect mit der Community zusammen. „Nutzer, die sich von Facebook aus bei Joost registrieren sehen bis zu 30 Prozent mehr Videos und geben bis zu 20 Prozent mehr Empfehlungen für Filme. Sie sind also nicht nur Intensivnutzer, sondern auch virale Multiplikatoren der Inhalte“, sagt Volpi. Auch deutsche Facebook-Nutzer können sich übrigens bei Joost über Facebook-Connect einloggen und ihre Aktivitäten so vernetzen.

Um auf dem deutschen Markt beispielsweise gegen einen Wettbewerber wie Sevenload zu reüssieren, der zunehmend ebenfalls auf die Distribution von TV-Programmen setzt, muss Joost dringend weitere Content-Partner gewinnen. Vielleicht könnte das mit Pro Sieben Sat 1 gelingen. Der TV-Konzern gehört zu den Finanzinvestoren KKR und Permira. Diese wiederum sind an Joost beteiligt.

Weltweit sind bei Joost derzeit 57.000 Videos abrufbar, darunter 400 TV-Serien, 1200 Spielfilme und Kurzfilme sowie 18.000 Musikvideos.
ork
Mehr zum Thema: Joost-CEO Mike Volpi im Interview über Konkurrent Hulu, Partner aus der TV-Welt und Zuschauer als Multiplikatoren
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