Joost-CEO Mike Volpi: "Wir sind eine Quelle für Erlöse"

Donnerstag, 19. März 2009
Joost-CEO Mike Volpi
Joost-CEO Mike Volpi

Mit 13 Content-Partnern startet das Internet-Video-Portal Joost nun auf dem deutschen Markt. Den Zuschauer erwarten kostenlose deutschsprachige Spielfilme, Musik und Serien. Finanziert wird die Web-Videothek mit Werbung. Starthilfe beim Gratiskino-Projekt der Kazaa- und Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis soll in Deutschland das Social Network Netlog leisten. Im Gespräch mit HORIZONT.NET sieht Joost-CEO Mike Volpi das Portal als Wachstumsquelle für Erlöse der Inhalte-Anbieter und hofft mit wachsendem Programm-Angebot nioch in diesem Jahr auf einige Millionen Zuschauer. Im Januar war die Plattform des US-Wettbewerbers Hulu für kurze Zeit auch für deutsche Zuschauer geöffnet. Dann wurde die Option wieder abgeschaltet. Stattdessen reüssiert nun Joost im deutschen Markt. Hat der kurze Hulu-Auftritt ihre Pläne beschleunigt?

Ich kenne die Strategie von Hulu nicht. Für uns war Deutschland schlicht Teil einer natürlichen Expansion. 60 Prozent unserer Zuschauer kommen aus den USA. Die nächsten wichtigen Märkte sind Großbritannien und Deutschland. Entscheidend war für uns, dass wir zum Start in Deutschland gute Programme anbieten können. Da wir uns auf legale Inhalte beschränken, haben wir zunächst zahlreiche Verhandlungen geführt, um eine kritische Masse zu erreichen.

In den USA kooperieren Sie bereits mit großen Anbietern wie Warner Bros. oder Viacom. Wird man deren Inhalte auch hierzulande sehen?

Wir starten in Deutschland nun mit 13 Partnern und einigen Werbungtreibenden. Wir wollen das Angebot in den kommenden sechs Monaten natürlich noch ausweiten. In Deutschland ist die Syndizierung, also die Weitervergabe von lizenzierten Inhalten, noch nicht so verbreitet wie in den USA. Der deutsche Markt ist da noch nicht so offen. Es müssen noch Barrieren abgebaut werden. Wenn wir mit unseren jetzigen Partnern in Deutschland zeigen können, dass wir Reichweite und Erlöse generieren können, wird das Interesse anderer großer Partner wachsen. Es ist ein Aufbauprozess.

Wie wäre es mit Pro Sieben Sat 1? Der TV-Konzern gehört zu den Finanzinvestoren KKR und Permira. Die wiederum sind an Joost beteiligt. Da sollten sich doch Möglichkeiten ergeben?

Pro Sieben hat ein tolles Programm. Wir hätten sie natürlich gerne mit an Bord. Gegenwärtig ist das nicht der Fall. Aber bei Pro Sieben gibt es derzeit viele Veränderungen. Vielleicht werden sie sich bald für die Idee öffnen, dass Joost ihnen Potenzial als ergänzende Erlösquelle bietet.

Der Filmvorführer

Mike Volpi ist seit Juni 2007 CEO des Videoportals Joost. Zuvor war er Senior Vice President & General Manager bei Cisco Systems. Gegründet wurde Joost von den Kazaa/Skype-Machern Janus Friis und Niklas Zenström. Die Plattform finanziert sich über personalisierte Werbung. Die Inhalte-Anbieter werden an den Erlösen beteiligt. Weltweit sind bei Joost derzeit 57.000 Videos abrufbar, darunter 400 TV-Serien, 1200 Spielfilme und Kurzfilme sowie 18.000 Musikvideos.



Wie sehen Ihre Erwartungen an die Zuschauerzahlen in Deutschland aus?

Vorhersagen sind schwierig. Wir hoffen auf einige Millionen Zuschauer. Die Partnerschaft mit Netlog wird da sicher hilfreich sein. Wir wollen das Geschäft aber allmählich aufbauen.

Die Kooperation mit dem Social Network startet passend zum Auftritt in Deutschland. Was versprechen Sie sich davon?

Netlog hat 40 Million Nutzer weltweit. In Deutschland hat Netlog mehr als zwei Millionen Nutzer. Wir sind auf der Plattform mit einem Verweis auf der Startseite eingebunden. Dadurch erreichen wir weitere Zielgruppen.

Inwiefern können sie von der Vernetzung der Community-Mitglieder profitieren?

Die Zusammenarbeit ist noch ganz frisch. Aber in den USA gibt es eine ähnliche Partnerschaft mit Facebook. Dort zeigt die Erfahrung, das sich Nutzer, die sich von Facebook aus bei Joost registrieren bis zu 30 Prozent mehr Videos sehen und bis zu 20 Prozent mehr Empfehlungen für Filme abgeben. Sie sind also nicht nur Intensivnutzer, sondern auch virale Multiplikatoren der Inhalte. Im Vergleich zum normalen Zuschauer, sind Nutzer aus Social Networks somit enger an die Plattform gebunden und engagierter. Das ist ein Ass für das Marketing, weil diese Nutzer uns helfen, die Präsenz von Joost schneller zu steigern.

Ihr Geschäftsmodell basiert auf Anzeigenerlösen. Da klingt es auf den ersten Blick nicht wie eine gute Idee, inmitten einer Finanzkrise durchzustarten?

Zu aller erst geht es uns darum, die Zuschauerbasis zu vergrößern. Selbst wenn das Anzeigengeschäft nur langsam anläuft, ist es gut, schon jetzt eine Marke aufzubauen. Andererseits beruht unser Kerngeschäft auf Werbung, die am Anfang oder mitten in den Filmen angezeigt wird. Und daran sind Werbungtreibenden sehr interessiert. Die Finanzkrise macht die Gespräche sogar leichter. Wir werden als Wachstumsquelle für Erlöse angesehen.

Würde diese Quelle mit zusätzlichen Bezahlmodellen nicht noch mehr sprudeln?

Es gibt verschiedenste Modelle für Videoplattformen. Auch für Paid-Content gibt es eine Zielgruppe. Aber der Kreis jener, die für Videos bezahlen wollen, ist kleiner als jener, die kostenfreie, anzeigenfinanzierte Inhalte quasi als Snack nutzen wollen. Um als Marke zu wachsen, ist es für uns daher zunächst wichtig, eine große Reichweite zu entwickeln. Deshalb favorisieren wir das Anzeigenmodell. Mit entsprechender Größe wäre es natürlich denkbar, ergänzende Angebote beispielsweise über eine Subskription oder Ausleihgebühren anzubieten.

Wo sehen Sie die Vorteile von Joost gegenüber Werbeplätzen im TV-Sender oder in Communities wie Facebook?

Wir bieten andere Formate als Social Networks. Nutzer können sich das Video auf einem großen Bildschirm ansehen. Wir können in den Filmen längere Werbung zeigen. Man kann also wie in einem TV-Spot Geschichten erzählen und Emotionen erzeugen. Das können Banner nicht bieten. Im Vergleich zum TV können wir ein Targeting der Nutzer anbieten und die Werbung nach Alter, Geschlecht und Standort aussteuern. Außerdem lassen sich aus dem Nutzungsverhalten Rückschlüsse ziehen, welche Werbung für den Zuschauer relevant sein könnte. Einem User, der viele Filme rund um Thema Autos sieht, würde man also beispielsweise eher Werbung rund ums dieses Thema anzeigen. Interview: Olaf Kolbrück
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