Joachim Gauck wirbt für "FAZ": "In der Regel schaue ich Werbung nicht an"

Donnerstag, 29. Juli 2010
Statt im Schloss Bellevue sitzt der Verlierer der Präsidentschaftswahl Gauck nun davor
Statt im Schloss Bellevue sitzt der Verlierer der Präsidentschaftswahl Gauck nun davor

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" setzt ihre Werbekampagne "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" fort. Das neue Motiv zeigt den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck, der im Park vor dem Schloss Bellevue Zeitung liest - umringt von Leuten, die sich auf dem Rasen sonnen, grillen und unterhalten. Ab dem 31. Juli ist die Anzeige der Agentur Scholz & Friends Berlin in der "FAZ", "FAS", auf FAZ.net sowie in zielgruppenrelevanten Zeitschriften zu sehen. Insgesamt ließen sich für die Kampagne, die seit 1995 läuft bereits 75 prominente Persönlichkeiten hinter der aufgeschlagenen Zeitung ablichten. Mit Gauck, der sich hier als "Bürger" inszeniert, gelingt den Kreativen sicherlich ein besonderer Coup. Kaum jemand weiß die Pressefreiheit so sehr zu schätzen wie er, war Gauck doch als Bürgerrechtler in der DDR politisch aktiv. Noch gut erinnert er sich an die, wie er sagt, "stromlinienförmigen" Tageszeitungen der DDR und an die eigenen Versuche, Magazine mit unzensierten Informationen mit den einfachsten Mitteln zusammenzubasteln und zu vervielfältigen. Das Gefühl, in der DDR eine West-Zeitung in der Hand zu halten, beschreibt Gauck mit den Worten: "Das war, als ob jemand, der immer Hunger hat, eine Torte geschenkt bekommt. Es war einfach ein Genuss, dem freien Wort zu begegnen."

Auch wenn er sich an der Kampagne der "FAZ" beteiligt, ist Gauck dennoch kein Freund von Werbung. "In der Regel schaue ich Werbung nicht an. Ich schalte im Fernsehen immer wieder ab, wenn Werbung kommt. Ich hasse Rundfunksender, die ständig durch Werbung unterbrochen werden, und ertrage es nur mit Mühe, dass in großen Magazinen so viele Seiten einfach nur zum Überblättern sind", sagt er gegenüber der "FAZ". Dabei müsste er Werbung doch eigentlich zu schätzen wissen, finanziert sich die freie Presse doch zum großen Teil darüber. Die "FAZ"-Kampagne bewertet er jedoch anders. Sie habe einen besonderen Esprit und lebe von starken Bildern. bn
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