Jauch-Absage: ARD-Intendanten kritisieren "Sperrfeuer der Landesanstalten"

Freitag, 12. Januar 2007

Die Absage von Günther Jauch an die ARD hat unter den Intendaten der ARD zu einer offenen Diskussion über die Entscheidungsstrukturen innerhalb des Senderverbundes geführt. Der Fall Günther Jauch habe gezeigt, dass die ARD die ironische Abkürzung "Alle reden Durcheinander" zuweilen zurecht trägt, kritisierte Dagmar Reim, Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Der Moderator hatte der ARD, mit dem er seit vergangenem Jahr über eine Nachfolge von Sabine Christiansen verhandelt hatte, am Donnerstag abgesagt.

In zahlreichen Pressemitteilungen drückten gestern verschiedene ARD-Obere ihr Bedauern über die Absage von Jauch aus. Während SWR-Indentant Peter Voß noch launig reimte "Ohne Jauch geht's auch", übte NDR-Chef Jobst Plog, der die Verhandlungen für die ARD geführt hatte, deutliche Kritik an seinen Kollegen: "Der Vertragsabschluss wurde durch eine Reihe von Indiskretionen und Nachforderungen aus einigen Rundfunkanstalten und deren Gremien gefährdet. Vor diesem Hintergrund habe ich Verständnis für den Entschluss von Günther Jauch. Ich bin zugleich in Sorge, ob es der ARD in Zukunft noch gelingen wird, einen Fernsehstar ähnlichen Formats für sich zu gewinnen."

Auch Volker Müller, Vorsitzender des Rundfunkrates des NDR hieb in dieselbe Kerbe: "Die ARD muss sich fragen lassen, ob sie auf die Verpflichtung hochkarätiger Bildschirm-Protagonisten strukturell richtig eingestellt ist." "Jobst Plog hat verhandelt. Alle Intendanten haben ihr OK gegeben. Dann kam das Sperrfeuer aus den Landesanstalten", kritisierte Reim am Donnerstagabend auf Inforadio.

Als möglicher Nachfolger von Sabine Christiansen wird nun WDR-Moderator Frank Plasberg ("Hart aber fair") gehandelt. SWR-Indentant Voß sagte, er sei ohnehin seit längerem derAuffassung, dass mit Frank Plasberg für den Sendeplatz nach dem Sonntags-"Tatort" eine Alternative zur Verfügung stehe, die "hart, aber fair und journalistisch gleichwertig" sei. pap/ dhe
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