Interview mit Google-Nordeuropachef Philipp Schindler: "Wir sind Partner der Medien"

Dienstag, 12. Dezember 2006

Zunächst hat Google nur den Internet-Werbemarkt aufgerollt. Inzwischen mischt der Online-Gigant auch im Print- und seit neuestem auch im Radiowerbemarkt mit. In den USA hat das Unternehmen begonnen, den Service Google Audio zu testen. Mit diesem Tool soll der Verkauf von Werbezeiten und die Mediaplanung auf dem Radiowerbemarkt automatisiert werden. Philipp Schindler, Nordeuropachef von Google, beantwortet im HORIZONT-Interview unter anderem die Frage, was Google eigentlich ist: Bedrohung, Konkurrent oder Partner klassischer Medienhäuser?

Philipp Schindler, Nordeuropachef von Google über Konkurrenz und Kooperation zwischen Medienhäusern und dem Internet-Unternehmen:

Jeder redet über Google, aber was ist Google eigentlich: Medienunternehmen, Werbeträger mit angeschlossener Suchfunktion, Technikunternehmen oder monopolistischer Auswuchs des demokratischen Internets?
Philipp Schindler: Wir definieren uns nicht als Medienhaus, sondern verstehen uns als Technologieunternehmen. Und zwar als ein Technologieunternehmen, das sich das Ziel gesetzt hat, die Informationen dieser Welt zu ordnen und sie den Menschen zur Verfügung zu stellen.

Das ist ein schönes Mission Statement, ändert aber nichts an der Tatsache, dass viele Medienhäuser Google als extreme Bedrohung empfinden.
Schindler: Medienunternehmen erstellen Inhalte orginär selbst und beschäftigen Redakteure. Google beschäftigt dagegen extrem viele Ingenieure und Programmierer - deshalb sind wir ein Technologieunternehmen und kein Medienhaus. Vielleicht haben wir diesen entscheidenden Unterschied in der Vergangenheit nicht genügend kommuniziert.

Ein Technologieunternehmen, das in Deutschland einer der größten Werbeträger ist und mit den Medien um die Anteile am Werbekuchen konkurriert.
Schindler: Einspruch - Google ist kein Konkurrent der Medien, sondern Partner vieler Verlage und TV-Sender. Wir nehmen den Medien auch nicht ihren Anteil am Werbekuchen weg, wie Sie vermuten. Das Entscheidende ist: Wir alle müssen uns ganz nüchtern der Realität stellen. Die eigentliche Herausforderung für Medien und Unternehmen besteht doch in dem veränderten Konsumentenverhalten. Konsumenten verbringen mittlerweile einen Gutteil ihrer Mediennutzung in digitalen Medien. Und deshalb werden Werbegelder in diesen Bereich transferiert.

Das gesamte Interview mit Philipp Schindler gibt es in der HORIZONT-Ausgabe 50/2006, die am 14. Dezember erscheint.
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