Interview: FAZ-Verlagschef Formen erwartet Plus im Anzeigengeschäft

Donnerstag, 21. Oktober 2010
Verlagsgeschäftsführer Andreas Formen sieht die FAZ im Aufwind
Verlagsgeschäftsführer Andreas Formen sieht die FAZ im Aufwind

Bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und ihrem Schwestertitel "FAS" macht sich eine leichte Erholung im Anzeigengeschäft bemerkbar. "Wir beobachten seit einigen Monaten, dass unsere Werbemärkte wieder anziehen, sodass wir uns nach dem Vorbuchungsstand für das restliche Jahr wieder klar im Plus befinden", sagt Verlagsgeschäftsführer Andreas Formen im exklusiven Interview mit HORIZONT. Vor allem die "FAS" habe innerhalb dieses Jahres einen Sprung gemacht, was er auf das Auflagenwachstum des Titels zurückführt. So ist laut IVW die verkaufte Auflage im 3. Quartal um 1,6 Prozent auf 353.000 Exemplare gestiegen. Angesichts dieses Wachstums bläst Formen denn auch zum Angriff auf den größten Rivalen: "Ich bin überzeugt, dass wir die "Welt am Sonntag" im Auflagenniveau in absehbarer Zeit einholen werden."

Der Aufwärtstrend in der Vermarktung gilt auch für den Stellenmarkt. So geht der Manager hier für 2010 von einem "Wachstum im deutlich einstelligen Bereich" aus. Dennoch warnt Formen vor zu großer Euphorie: "Trotz der derzeit sehr optimistischen Wirtschaftsprognosen würde ich noch immer nicht von einem Silberstreif am Horizont sprechen, dafür bleibt die Lage in unserem Segment der Qualitätszeitungen noch zu labil."

Da er nicht damit rechnet, das Niveau von 2008 wieder zu erreichen, muss sich auch das Verlagshaus für innovative Vermarktungsformen jenseits der klassischen Anzeige öffnen. So hat die "FAS" beispielsweise in der vergangenen Woche in Kooperation mit Galeria Kaufhof die "Edition für kluge Köpfe" gestartet. Unter diesem Titel, der sich am "FAZ"-Claim "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" orientiert, bringen die Partner Gourmetprodukte wie Olivenöl heraus.

Den Volksprodukten von Axel Spingers Boulevardblatt "Bild" will Formen damit jedoch nicht nacheifern. So nehme sein Verlag keinen Einfluss auf die Produktauswahl und es gebe kein standardisiertes Logo. Zudem betont er, dass es damit nicht zu einem Aufweichen der verlegerischen Grundsätze komme: "Redaktion ist Redaktion und Anzeigen sind Anzeigen. Bei uns gab und gibt es keinen Gefälligkeitsjournalismus und keine Vermischung von redaktionellem und Anzeigenteil." Dies gelte auch für alle neuen Sonderwerbeformen, über die er im Einzelfall gemeinsam mit den Herausgebern entscheide. bn
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